Gartner Magic Quadrant Enterprise Content Management 2015

Der aktuelle Magic Quadrant für ECM von Gartner ist die letzte internationale Markteinschätzung zum Thema Enterprise Content Management in diesem Jahr. Diesmal ist - endlich - auch ein führender deutscher Anbieter im Report vorn dabei - und wenn man es genau nimmt, sogar vier!

Alle Reports waren vorher da: Forrester, G2Crowd, Infiniti, Nucleus und noch einige andere. Alle zeigten ein ähnliches Bild mit meistens den gleichen internationalen Mitspielern. Der aktuelle Gartner Magic Quadrant ist anders. Unter den Neueinsteigern ist erstmals im internationalen Quadranten ein deutscher Anbieter, die SER Group. SER landet gleich im oberen Teil des linken unteren Quadranten. Ein guter Anfang. Aber bevor es zum Quadranten geht der übliche Hinweis: nicht das Bild (mit dem Quadranten) interpretieren, sondern den ganzen Bericht mit den Bewertungen lesen! Hier ist er: Gartner MQ ECM 2015  (Merci an Hyland - die sind natürlich mit Onbase auch wieder ganz oben dabei) und hier zum Vergleich unsere Einschätzung zum Gartner ECM Magic Quadrant von 2014.

Die wesentlichen Einschätzungen des diesjährigen Reports sind:

"Gartner also sees several shifts in the market that will affect clients strongly. Consolidation in the market continues, with ever more tools that once belonged in the realm of specialist vendors now being part of the large ECM suites. These include enterprise file synchronization and sharing (EFSS), video content management and asset management. The ECM vendors build out these functionalities or acquire them through partnerships or direct acquisition of the technologies. 
One of the signs of consolidation is that some of the same vendors are falling behind on their innovation of ECM functionality as part of a digital workplace, allowing newer, smaller and more specialized vendors to fill the gaps. So, although there is less differentiation in the established players, there is also a myriad of smaller non­ECM vendors pushing innovative features into the market."

Dies deckt sich auch mit den Einschätzungen von PROJECT CONSULT in den vergangenen Jahren. Besonders negativ ist, dass ECM es in 15 Jahren - besonders in Deutschland - nicht geschafft hat, die gleiche Bedeutung wie andere Softwaregattungen, z.B. ERP, CRM, PLM etc., zu erlangen. Dabei ist Informationsmanagement eine notwendige Infrastruktur für jedes Unternehmen: Wir sind zu 100% von der Richtigkeit und Verfügbarkeit von Information abhängig. Hier sind ECM-Dienste notwendige Komponenten.

Der Gartner Quadrant enthält wieder eine ausführliche Beschreibung, welche Funktionalität wie bewertet wurde (siehe hierzu die "Evaluation Criteria"):

Document management (20%) 
Web content management (5%) 
Records management (10%) 
Image­processing applications (15%) 
Social content (15%)
Content workflow (20%) 
Extended components (15%)

Hier wird deutlich, dass die Definition von Gartner für Enterprise Content Management nicht den üblichen Definitionen und dem Markt entspricht: auch Archivierung, Collaboration und BPM gehören ebenso wie Capture und Bereiche des Output Managements dazu.

Das Bild des Magic Quadrant, der sich auf den obenen genannten Kategorien aufbaut, ist allerdings nur eine mögliche Sicht auf den Markt (die für Gartner Kunden Umgewichtigungen zahlreicher Kriterien ermöglichen, die sich natürlich nicht in einer "flachen Grafik" abbilden lassen). Aber wie gesagt, das Bild kursiert:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dabei wie immer als führend klassifiziert (Leaders; rechts oben die ersehnte Ecke): IBM, OpenText, Lexmark, EMC (DELL), Microsoft (immer noch der Sharepoint), Oracle (hmm ... UCM, WebCenter, 11g, Stellent ...) und Hyland. HP ist hier herausgefallen (u.a. wegen Verkauf von WorkSite) und nicht mehr im Quadranten vertreten. IBM und OpenText sind weiterhin die marktbestimmenden Vorreiter. IBM als Universal-Anbieter mit großem Bauchladen, OpentText fokussiert auf EIM (mit ECM als wesentlicher Komponente). Beide bewegen sich inzwischen mehr zum erweiterten Begriff des ganzeitlichen Informationsmanagements: EIM Enterprise Information Management. Hinter diesen beiden Marktführern ballt sich das Verfolgerfeld. Die Positionen rutschen dabei im Vergeich zum MQ 2014 nur wenig hin-und-her.

Der Quadrant der innovativen Herausforder (Challengers) ist - leer ;). Hier fanden sich z.B. bei Forrester Unternehmen wie Box wieder. Eigenständige, für ECM spezfische Innovation findet nicht mehr statt. Es werden die Innovationen und Trends der allgemeinen ITK-Entwicklung nur noch adaptiert. Einerseits ist dies gut, denn es zeigt, dass der Markt und seine Produkte matur, ausgereift sind. Andererseits droht besonders den reinen ECM-Anbietern den Anschluss an die Entwicklung der ITK zu verlieren. Eigentlich gibt es genug Herausforderer, die sich aber nicht im traditionellen ECM-Umfeld tummeln, sondern aus Segmenten wie EFSS, Social und anderswo herkommen. Nicht zuletzt auch die Anbieter von Standardsoftware, die ECM-Funktionalität einfach in ihre Produkte integrieren..

Rechts unten die Visionaries. Diesmal mehr zum Zentrum gerückt Newgen, Alfresco und XEROX. Bleiben die Bewertungskriterien auch im nächsten Jahr gleich, könnte der eine oder andere hier auch nach weiter oben in den Leader aufrücken oder nach links in die Nische fallen. Aber ebenso wie bei den Challengers, eigentlich gähnende Leere. Gibt es keine echten Visionäre mehr? Dies ist ein Anzeichen der Maturität des Marktes - aber vielleicht auch ein Hinweis an Gartner, dass die Klassifizierung der Systeme nicht mehr den Markttrends gerecht wird. In Bezug auf eigenständige Innovation sind wir bei PROJECT CONSULT schon seit Jahren der Überzeugung, dass diese fehlt und somit ein Risiko für die Branche in Zukunft darstellt. Dies zeigt sich auch beim Marktauftritt, wenn man an Kongress- und Messeveranstaltungen beispielsweise denkt. 

Und dann das große Feld der Niche-Spieler, der regionalen Champions und Spezialisten. Um es vorweg zu nehmen - dieses Mal haben es Unisys und Sungard nicht mehr in den Quadranten geschafft. LaserFiche (USA) ist weiter in Richtung Leaders vorgerückt. M-Files (Finnland, USA) etwas zurück, Everteam (Frankreich) und Fabasoft (Österreich) verbessern sich, Siav (Italien) und Software Innovation (Norwegen; nicht die Deutschen, die zu Betasystems gehören) verschlechtern sich. Im Mittelfeld des Quadranten Upland (USA), Systemware (USA), Objective (UK) - und als Neueinsteiger SER (Deutschland).

Sehen wir uns doch einfach mal die Einschätzung von SER seitens Gartner an:

"SER Group

SER Group is based in Bonn, Germany, and offers ECM solutions through subsidiaries and local branch offices in important international markets; it is a new entrant into the Magic Quadrant. It offers the full range of services and solutions for ECM, with a focus on improving paper­based business. SER's Doxis4 iECM Suite offers modular solutions for capturing, archiving and managing content and providing collaboration, workflow and BPM.

Strengths

The SER Group has created several separate companies, with dedicated sales and support, for the government, healthcare and banking verticals. Clients from these verticals rate it very highly on its expertise in these areas.
SER Group's products show a complete architecture, with many modules and with metadata and rights management across all components and processes. Almost all components have been developed and maintained by SER Group, which has led to close integration.

An embedded external search and discovery engine for full­text searching gives SER Group's products strong search and discovery capabilities.

Cautions

Currently, there is no direct sales presence in the Americas and clients looking at SER Group for  international operations should make sure it can deliver on SLAs in regional markets. 
Clients report that the functional range of SER Group's products is not entirely to their satisfaction.
Perspective customers should explore the full range of possibilities and functionalities to make sure it meets all of their requirements.
SER Group does not offer a native WCM system as part of its functionality. Clients should make sure their preferred WCM system of choice will work seamlessly where necessary.
"

Klar - wenn es in Deutschland kein Records Management gibt, dann ist dieses auch etwas "unterentwickelt" und wenn man dann noch WCM als Kriterium hat, fehlt dieses ganz. Aber wenn Gartner bei ECM auch Archivierung einrechnen würde (sic!), dann stände SER ziemlich weiter oben.

 

Aber werfen wir noch einmal ein Blick auf die Eingangsformulierung - vier Anbieter aus Deutschland tauchen im Gartner Report auf. Dies liegt sicher auch am Autor, Hanns Köhler-Krüner, der mit den europäischen Gepflogenheiten besser vertraut ist als seine Vorgänger. So gibt es im Report drei weitere Abschnitte zu verschiedenen Märkten - und dabei auch Europa (nebst Pacific als Region und Mittelständlern SME als Kategorie). Und in diesem europäischen Kapitel sind dann auch noch d.velop, Docuware und Easy (neben Alfresco, Everteam, Fabasoft, M-Files und Siav) beschrieben (na, auch auf dem Weg in den Quadranten? ;) ). Hier der Ausschnitt mit den als in Europa relevant erachteten deutschen ECM-Anbietern:

"Europe Context

Analyst(s): Hanns Koehler-Kruener

Europe's market for ECM software may be slow-growing but it has a wide variety of vendors and many region-specific suppliers, which opens up opportunities for IT leaders looking to buy ECM products. We identify this market's distinctive features and profile eight notable vendors.

Market Differentiators

The worldwide market for enterprise content management (ECM) software grew by 6.2% in 2014, to $5.4 billion, which was less than we predicted. This growth was unevenly distributed across the world's regions. Asia/Pacific, Greater China, the Middle East and Africa, for example, achieved double-digit growth, whereas Western Europe grew more slowly than the worldwide market. Furthermore, we forecast that Western Europe's ECM software market will grow by only about 5% in both 2015 and 2016.

Western Europe remains plagued by economic troubles, which have dented the confidence of enterprises. Most Western European economies have yet to return to the level they were at before the 2009 financial crisis, and they continue to struggle. Parts of southern and southeastern Europe are particularly suffering.

Document and records management are important issues for many European organizations, but at present they are more likely to invest in "point solutions" for individual business problems than wider ECM solutions. Few see any urgency to replace or upgrade their existing ECM software installations in a saturated market and against a troubled economic backdrop. Some European markets also have less appetite than others for additional automation because of the potential for job losses.
On the other hand, the increased number of EU-located data centers from global vendors, along with regional and national European vendors' work with local ISPs to offer local data centers, has slowly led to an increase in cloud ECM deployments, especially for midsize organizations with limited IT resources.

This report focuses on Europe's ECM software market because it shows enough differences from other regions' markets to merit special consideration. The key differences are as follows:

Language:
Europe has many different languages, not all of which are supported by the large global vendors. This gives regional or national European vendors the opportunity to concentrate on meeting the demands of local European markets. Prospective customers should ensure all their language needs are met, not just in the software's interface and documentation, but especially also when it comes to support.

Regulations:
Niche Players have long focused on meeting Europe's local regulatory demands. Many European countries have their own versions of global technology standards and usually more stringent requirements for adherence and certification. Germany, Austria and Switzerland, for example, each have their own standard for local-government case management, so vendors wanting to sell to local government in all three markets need to understand these thoroughly. Clients should ensure that vendors understand the specific regulations that apply to their country and sector, and that reference clients are available. Just because a vendor is European does not automatically mean it has the necessary expertise. There are many working groups in areas like security and the cloud that are striving to create a more unified European market. Global digitization will strengthen the trend for more international standards over the next few years.

Market saturation:
Most organizations will have one or more ECM systems already in place. They need a vendor that understands how to integrate these systems or how to migrate them to new software. Local European vendors are likely to know how to do this, having done it before, but global players may be skilled only in migrating customers from the software of their largest competitors.

Industry and area focus:
ECM software vendors that focus on the European market often specialize in one or more industries or a particular political or linguistic area. For example, some focus on the healthcare sector in a single country, while others concentrate on the multicountry German-speaking area (Germany, Austria, parts of Switzerland and the Alsace region of France).

Considerations for Technology and Service Selection:
When selecting a vendor for ECM software in Europe, IT leaders must consider several factors.
The vendor's product focus: Although the global vendors in "Magic Quadrant for Enterprise Content Management" cover all aspects of ECM, local European vendors may cover only parts of it, often in response to clients' specific use cases. They may leave out aspects like analytics, enterprise search, Web content management and social components, and instead focus on highly specialized solutions to meet local regulatory requirements.
The vendor's local support resources: If the ECM project needs to meet international standards or has the potential to be rolled out right across Europe or other world regions, a local German, French or Italian vendor might not have the necessary local support resources outside its main market(s). Equally, though, international vendors may also lack local support, or may work through partners with limited expertise. A distinguishing feature of the European market is that many customers still prefer to receive local, face-to-face support.

The vendor's financial viability and track record:
Over the past few years, large vendors have acquired strong regional contenders to increase their presence in a market or sector. This could lead to the discontinuation of certain codebases or product lines. If it does, clients could be left facing an end-of-life situation for their product and a need for a costly migration. IT leaders therefore need to examine vendors' financial viability, growth, track record of winning new business, and visibility in the relevant market or industry.

Local vendors' advantages over larger, more generic global vendors: In particular markets local vendors may well:
Have very good knowledge of local conditions and regulations, which can result in superior support.
Speak their clients' language as they are often nearby, which means they can involve their development teams in more complex customizations or other requirements.
Have cloud data centers within a single European country's borders, which makes it easier for them to comply with local legislation.

 

Notable Vendors

Vendors included in this Magic Quadrant Perspective have customers that are successfully using their products and services. Selections are based on analyst opinion and references that validate IT provider claims; however, this is not an exhaustive list or analysis of vendors in this market. Use this perspective as a resource for evaluations, but explore the market further to gauge the ability of each vendor to address your unique business problems and technical concerns. Consider this research as part of your due diligence and in conjunction with discussions with Gartner analysts and other resources.

d.velop
d.velop, which is headquartered in Germany, has a flexible and technologically advanced suite of products, which make a strong showing in a variety of use cases. Its main ECM product is d.3ecm, a fully-featured ECM suite. Its other products are ecspand and foxdox: ecspand is a case management add-on, deployed on top of Microsoft SharePoint, that is popular with enterprises that need such functionality; foxdox is a cloud-based file synchronization and sharing solution. This vendor's data centers, support and development are based in Europe. Its offices and direct sales and support resources are widely distributed within Germany, Austria and Switzerland.

DocuWare
DocuWare is a Germany-based vendor of both on-premises and cloud-based ECM software. It has a highly modular architecture that covers the whole content life cycle across the different deployment models. DocuWare has traditionally had very strong relationships with multifunctional-device manufacturers, on which basis it has connectors to most of the main brands in this market. DocuWare caters mainly to the ECM market's smaller customers, but it is slowly attracting larger organizations as well.

Easy Software
Easy Software is a Germany-based vendor with a strong presence in Germany, Austria, Switzerland and the U.K. It has a strong background in the field of document archiving. Easy Software offers document management software. It focuses most of its efforts on — and is most effective for — customers with up to 1,000 employees. It has offices around Germany. Its products include Easy Archive and solutions for integration with SAP and Microsoft products, as well as for specific use cases, such as invoice process automation."

 

 

Es bleibt also spannend, wie sich der deutsche Mittelstand weiterentwickelt und den Anschluss an den internationalen Markt gewinnt. Und nochmals Danke an Gartner, dass man nun auch einen detaillierteren Blick auf Europa findet. Unsere Einschätzungen findet man z.B. in den Dokumentationen unserer Update-Veranstaltungen, Artikeln und Interviews sowie Keynote-Vorträgen.

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