Gartner ersetzt ECM durch Content Services

22.01.2017

Michael Woodbridge von Gartner hat es nun offiziell gemacht - Gartner ersetzt für ihre Studien und den Quadranten den Begriff ECM Enterprise Content Management durch Content Services. "ECM ist Dead". Macht dies Sinn?

Wir hatten schon vor einiger Zeit über Diskussionen berichtet, was denn nun in Zukunft bei Gartner aus ECM wird. Der Begriff "Content Services" taucht bereits im Bericht zum ECM Magic Quadrant auf (http://bit.ly/ECM-MQ-revisited) und verschiedenen Diskussionen (http://bit.ly/GartnerHC16) auf. In seinem Blogbeitrag (bit.ly/Gartner-ECM) führt Woodbridge eine Reihe von Gründen auf, so z.B.

<Zitat>

... ECM is now dead (kaput, finite, an ex-market name), at least in how Gartner defines the market. It’s been replaced by the term Content Services, a strategic concept that covers three aspects, namely Content Services Applications, Platforms and Components. The following Gartner note: Reinventing ECM: Introducing Content Services Platforms and Applications  provides more details so I won’t go into them here. Rather, I did want to summarize how this alternative strategic approach provides organizations with a more practical way to achieve the benefits promised by the original vision of ECM.  The king is dead, long live the king!
What do I mean by this? Well, the overarching business goals many strive to achieve with an ECM strategy are desirable in all organizations. The most common realization of the strategy formerly known as ECM was to provide a centralized enterprise (the E in ECM) wide platform that could meet one or all of the following primary goals associated with the utilization of “content”:

  • Regulatory compliance and risk management
  • Retention and dissemination of business knowledge
  • Cost and process efficiencies
  • Innovation and new ways of working
    (Note: Not an exhaustive list but with a pretty wide coverage!)

In reality, however, a single platform to achieve these four goals (the ECM strategy of many organizations) has proven to be almost impossible for most.  Of the four, ECM has been most successful in providing a platform for compliance (goal 1). The other three are where more challenges are encountered. A centralized platform often requires complex integration to deliver information in the context of user activities and therefore knowledge sharing initiatives (goal 2) have met with slow adoption. A purely centralized platform can also be costly and time consuming to provide new innovation (goals 3 and 4).
I personally have come across very few enterprises in my nearly 20 years in the business who have anything less than three (and often more) of such repositories. A number of which have been the aborted result of a full, “horizontal”, ECM roll out.
The Content Services approach overrules the notion of consolidation for its own sake.  It’s strategic, rather than technology oriented and provides an evolved way of thinking about how to solve content related problems. It blends the reality of what is happening now in the digital enterprise and the emerging technology of the near future.
Today’s reality is that organizations are living in a multi repository world. Business buyers want quick wins and actual solutions to business problems now, not platforms that will deliver a compromised solution in 6 months time. This is the role of Content Applications. There are technology platforms emerging and, in limited cases available now, that will enable organizations to gain greater control of these multiple content sources. These types of technology will move beyond a “retrieve and present” approach to an approach where the content is usable and manageable regardless of its source repository. These types of technologies fit into what Gartner defines as Content Services Platforms and Components (Note, this category covers more than just federation technology, more details in the note above).
Using a combination of robust content strategy and federating technology, organizations are better placed to achieve all four of the above stated goals previously associated with ECM. The approach will enable content services to be delivered quickly, cost effectively and to meet emerging business innovations whilst maintaining the appropriate level of governance and compliance. ... "

</Zitat>

Die Research note "Reinventing ECM: Introducing Content Services Platforms and Applications" ist leider nur für Gartner-Kunden zugreifbar. Dort gibt es dann mehr zu den drei neuen Klassifikationen "Content Services Applications" (haben wir vorsorglich schon mal als CSA abgekürzt), "Content Services Platforms" und "Content Services Components".

OK - ECM Enterprise Content Management in seiner ursprünglichen Definition ist nicht mehr zeitgemäß. PROJECT CONSULT vertritt diese Ansicht schon seit längerem. Aber das Thema der Methoden, Strategien und Technologien nun auf "Content Services" zu reduzieren, ist falsch. ECM ist Infrastruktur geworden und hat damit auch seine Mission erfüllt (siehe z.B. unseren Vortrag zu EIM Enterprise Information Management http://bit.ly/EIM_DrUKff), aber der Begriffsbestandteil "Services" steht nur für "Dienste" und hier ist man gleich auf einer technischen Ebene. Längst geht es auch nicht mehr darum nur "Content" sondern alle Informationen eines Unternehmens zu erschließen. "Content" wird sehr schnell im Sinn von "Web Content interpretiert und zumindest in Deutschland nicht als genereller "Inhalt" verstanden, der Daten und Dokumente einschließt. Nicht nur bei Gartner sondern auch bei AIIM war das Thema ECM zu sehr in Richtung unstrukturierte und schwach strukturierte Informationen orientiert. Die Trennung aber von Daten (CI Coded Information) und Dokumenten (NCI Non-Coded Information) macht heute keinen Sinn mehr.

Wir sind der Meinung, man sollte von Information Management im Sinne von Verwalten, Erschließen, Bereitstellen, Schützen und Nutzen von Informationen beliebigen Typs innerhalb und außerhalb der Unternehmensgrenzen sprechen: http://bit.ly/1OdzrN4 Enterprise Content Management Technologien sind hier weiterhin das "Herz" des Information Management, eine notwendige Infrastruktur. Jedoc nur noch von "Content Services" zu sprechen ist zu kurz gesprungen. Da hilft es auch nicht, eine Unterklasse von "Content Services Applications" ins Leben zu rufen.

Das mühsame Finden von neuen Oberbegriffen für Branchendefinitionen liegt bei Gartner auch in deren Organisations- und Kompetenz-Struktur begründet: Archivierung wird wo anders beurteilt als Business Process Management, Enterprise Information Management und ECM. Gartner bringt es nicht fertig, sinnvoll alle zusammengehörenden Technologien und Trends zum Informationsmanagement zusammenzubringen.

Der Begriff "Content Services" ist schlecht, trifft nicht warum es geht und ist so auch für die Anwender nicht hilfreich.

Dr. Ulrich Kampffmeyer

 

P.S. Diese Nachricht wird natürlich total überschattet von der Übernahme von CEB durch Gartner für 2,6 Milliarden US-Dollar: http://bit.ly/Gartner-CEB. Dafür verkaufe ich meinen Laden auch ;)

Kommentare

Lieber Uli,

wie immer habe ich mit großem Vergnügen Deinen Kommentar gelesen, bin allerdings nicht so ganz einverstanden mit Deiner Interpretation das content services der falsche Begriff ist. Nur weil wir in D noch nicht so recht verstanden haben das content jegliche Information umfasst, ist der Begriff ja nicht falsch.

Und Schlussendlich tun das die wirklich guten (noch) ECM Hersteller doch schon seit Jahren, wir verknüpfen beliebige IT System und sorgen dafür das relevante Informationen -> Content (Dokumente UND Daten) immer und von jedem (Berechtigten) gefunden und genutzt werden können. Einige Deiner Kollegen nennen das Informationslogistik, Ihr nennt das EIM, letztendlich alles richtig. Ich begrüße es sehr das Gartner versucht hier neue Begriffe einzuführen und glaube vielmehr, dass das letztendlich eher Klarheit als Verwirrung bringen wird.

Mit vielen Grüßen aus Berlin

Olaf

Hallo Olaf,
Gartner will jetzt unterscheiden nach "Content Services Applications" (haben wir vorsorglich schon mal als CSA abgekürzt), "Content Services Platforms" und "Content Services Components" ... wo wollt ihr euch denn da positionieren?
Und "Archiving", "Enterprise Information Management", "Case Management" und "Business Process Management" sind weiterhin eigenständige Branchen mit eigenständigen Quadranten und Studien bei Gartner - nicht in Content Services drin.. Passt alles nicht zusammen.
Ganz hat sich Gartner auch noch nicht von ECM Enterprise Content Management gelöst wie der aktuelle Gartner "ECM Critical Capabilities" Report vom Januar 2017 zeigt.
Und man muss sich auch fragen, ob Gartner dasjenige Unternehmen ist, das allein einen Markt definiert. Forrester, Nucleus, IDG, CMSwire, AIIM ... alle laufen derzeit mit eigenen Definitionen herum (siehe auch die Beiträge in unserem Blog der letzten Zeit). Forrester hat auch gleich zwei unterschiedliche Kategorien von ECM gebildet (siehe auch hier http://bit.ly/1HIJ6eI, http://bit.ly/1EttRs6 und http://bit.ly/ECM-MQ2016).
Übrigens sprechen wir seit einigen Jahren nur noch von Informationsmanagement da auch EIM Enterprise Information Management nicht so recht mehr passt.
In unserem Update Information Management 2017 werden wir auch diese Fragen diskutieren und dann gibt es auch wieder die Trends/Hypes/Schlagwort-Auswertung wie in 2016 (http://bit.ly/UPDATE16).
Schöne Grüße nach Berlin,
Uli.

Wenn ich mir anschaue, dass das Akronym in den Vorstandsbereichen unserer Firmen nach wie vor nicht bekannt geworden ist, ob da neue Namen für große Menge an Funktionen rund um das Verarbeiten und Geschäftsinformationen wirklich hilfreich ist? Ob es nun Content heißt oder Information: Das zeigt nur auf eine riesige Wolke möglicher Anwendungsschwerpunkte ...

Apropos Schwerpunkte. Hier lese ich nun raus, dass es um die Kunst geht, die vielen Datensenken (Repositories) als solche bestehen zu lassen und vielmehr Mechanismen anzubieten, die es erlauben, dennoch auf die bedürftigen Daten quer zuzugreifen, und dass ohne mehrmonatige aufwändige Projekte. Ob da unsere ECM-Branche schon wirklich tiefgreifende Antworten zu hat? Ich erinnere mich an die hehren Vorsätze des WfMC: Ein Workflow Modell könne so gebaut werden, dass er eine Instanz von einem System zum anderen marodiert und dort wie ein fleißiges Bienchen seinen Honig einsammelt, am Ende sein Endprodukt ausspucken zu können. Der notwendige Standard dafür war wieder so komplex, dass er sich nicht durchsetzen konnte.

Ich gehe davon aus, dass wir ECMler noch eine zeitlang wie der Schuster bei seinen Leisten bleiben wird, und zentrale Lösungen zur Verfügung stellt, die sich immer besser und leichter an die Bedürfnisse der Kunden anpassen lassen und in ihre Datensenken integrieren lassen. Da helfen dann die modernen Technologien wie Micro Services, HTML5 und Angular ...

VG Martin

Lieber Martin,
das Thema Akronymologie hatten wir schon vor längerem begraben und eine "ECM-Branche" - gibt es die überhaupt noch in Deutschland?
Aber in Bezug auf die hehren Vorsätze und die Adaption neuer Technologien ein kleiner Kommentar.
Es würde ja schon helfen, wenn man wirklich einen übergreifenden Zugriff auf unterschiedliche Repositories hinbekäme (eine Anforderung von ECM aus dem Jahr 2001).
Schön wäre es, wenn man vom manuellen "Qualitätskontrollieren" beim Scannen wegkäme, denn wenn die Maschine das Lesen und Verstehen kann, dann kann auch ein Mensch das Lesen.
Schön wäre, wenn die Dokumentenmanagement-, Aufbewahrungs- und Archivsysteme sich endlich mal selbst dokumentieren und archivieren sowie so nebenbei dabei alle Inhalte für eine Verfahrensdokumentation automatisiert geordnet bereitstellen.
Es wäre schön ...
ach Martin, warum soll ich mich mit meinen Wünschen Jahre über Jahre immer wiederholen ...
Wenn man auf die konkreten Probleme eingeht, der Integration, der Herausforderungen durch Cloud, Mobile etc., dann ist das "Umfirmieren" von Enterprise Content Management auf Content Services - selbst in Zusammenhang mit Begriff wie Applications, Platforms etc. - ein Rückschritt. Eine Reduzierung, wie sie in ECM angedacht war, jedoch vom Stellenwert, der Visibilität, dem Verständnis, worum es eigentlich geht - Verwaltung und Erschließung aller Informationen - wird die neue Begrifflichkeit von Gartner nicht gerechnet. Aus Sicht eines deutschen Fachbereichmanagers halt irgendwelche Services (Dienste, Dienstleistungen?), die irgendwie Content (Webseiten?) verwalten. Wenn wir schon mit ECM in Deutschland keinen Fuß auf den Boden bekommen haben, wird uns dies mit Content Services noch weniger gelingen. Der Erklärungsbedarf ist bei beiden englischsprachigen Begriffsbildungen ähnlich hoch.
Ich warte aber gern ab, welcher deutsche mittelständische ECM-Anbieter nun in seine Marketing-Unterlagen schreibt, ich bin ein "Content-Services-Anbieter". Habe ich allerdings woanders schon gesehen - bei Web-Agenturen ;) Da gibt es sogar "Content-Full-Service"-Anbieter.
Schönen Abend noch,
Uli

Gespeichert von Ulrich Kampffmeyer (nicht überprüft) am/um 13. Januar 2017 - 13:38 Permanenter Link

Ein paar Diskussionsbeiträge gibt es auf

LinkedIn http://bit.ly/2in2fe1 (inkl. Kommentar von Hanns Köhler-Krüner, Gartner)
XING Gruppe Information & Document Management http://bit.ly/XIDM-ContentServices
in unserem Blog http://bit.ly/Gartner-Content-Services

Anbieter wie IBM schwenken schon auf die neue Linie ein (Twitter @ibmcontentsvcs). Auch die AIIM macht jetzt schon Workshops zu "Content Services" anstelle von wie bisher ECM Enterprise Content Management (Twitter @skjekkeland).
Mal sehen, ob sich das durchsetzt. Bei PROJECT CONSULT bleiben wir bei der weitergefassten Sicht auf Informationsmanagement. Und das ist mehr als nur "Services", Technologie und Funktionalität.

Gespeichert von Ulrich Kampffmeyer (nicht überprüft) am/um 17. Januar 2017 - 12:11 Permanenter Link

"ECM is dead" lautete die Botschaft von Gartner. ECM-Technologien sind nach unserer Meinung eher das Herz, der Kern, die notwendige Infrastruktur eines übergreifenden Information Management. Aber nun heißt es erst einmal abwarten, ob die Bestrebungen von Gartner, IBM (IBM will eine massive ganzjährige Kampagne fahren) und auch AIIM (Atle Skjekkeland macht schon die ersten Workshops zu Content Services) die Branche in die gewünschte Richtung treiben.
Die Wortschöpfung "Content Services" hilft nicht weiter, wie auch ein Blick in die Übersetzungshilfe von Linguee zeigt. Content Services bedeutet alles Mögliche, jedoch - noch nicht? - was sich die Protagonisten bei Gartner gewünscht hätten. Die Trennung von unstrukturiertem "Content" von strukturierten Daten ist doch zudem längst obsolet. Content Services degradiert den Anspruch von ECM Enterprise Content Management auf technische Services. Das kann man mit ECMS Enterprise Content Management Systems machen, jedoch nicht mit Enterprise Content Management als Strategie und Methode. ECM hatte immer den Anspruch in der Wahrnehmung im Markt eine ähnliche Bedeutung wie ERP, CRM, PLM, HR und ähnlich Begriffe zu erlangen. Dies hat nicht geklappt. Und mit "Content Services" wird es noch weniger klappen, denn Content Services beinhaltet keinerlei Vision. Content Services ist nicht das Banner, unter dem sich Anbieter wie auch Anwender versammeln werden. Content Services stellt einen Rückschritt dar. Im Web und Content-Management-Umfeld steht dies für Dienstleistungen und wie man diese eingeführte Begrifflichkeit "umdrehen" will - nun gut. Content Services führt in die Irre und ist unter Marketing-Gesichtspunkten schon gar nicht "sexy".
Bei PROJECT CONSULT bleiben wir bei Informationsmanagement als übergreifenden, ganzheitlichen Begriff für die Verwaltung und Erschließung von Information. Schließlich sprechen wir ja auch von Informationsgesellschaft (Information Society) und Informationszeitalter (Information Age). Es gibt Lehrstühle für Informationswissenschaft, Methoden wie Mike2 für Enterprise Information Management, Zertifikate zum Certified Information Professional, Berufe wie Informatiker und Informationswissenschaftler, usw. usw. Information Management ist als Begriff eingeführt.

Most of the current discussions on linkedin, facebook, aiim.org are in English. Heres a short summary of our position.

OK - ECM is dead!

But Content Services is no good replacement or successor although AIIM, Forrester, Gartner, IBM and others try to position it as the new direction of the industry in 2017.

Content Services is about technology and functionality and not about strategies and methods. It has no vision, it is not sexy at all. The term is a step backwards. The term is used in the web content & marketing industry for service offerings to create or distribute content. The term leads the industry to a niche, a backwater. ECM always had the ambition to be as important as acronym like ERP, CRM, HR, PLM ... and now content services? Content Services is not the banner for rallying to reach  future goals. The idea of services as information management infrastructure always has been part of the ECM model. Nothing new, but now only covering a small part of the overall scope of the original ECM definition. Content Services degrades ECM to a small infrastructure piece of technology. Will we reach management attention with potential buyers with content services? Will content services be on the lists of strategic goals and priorities when investing into digital transformation? Do content services - with their three specifities - have any innovative idea, new function or new benefit? Will there be any interest in joining a kind of AIIM "Content Services Master Courses"? Forget about Content Services - even the "definitions" do not fit (on one hand they talk about "services" combinded with the term "applications" - there are big differences in information architecture and layer models).

And ... ECM will not vanish immediatly but will continue to stay around for a long while.

Lets better talk about "Information Management". We need Information Governance and no Content Governance. There are associations like AIIM Association for "Intelligent" Information Management, there is the CIP Certified Information Professional, there are universities with institutes, scholars and education for information management, there is scientific literature and a broad understanding. Information Management bridges the gap between structured data and unstructured content. We are living in the information age. We are the information society. And Information Management ist needed to deal with the rising flood of data.

https://www.linkedin.com/pulse/gartner-ersetzt-ecm-durch-content-services-ulrich-kampffmeyer

Liebe ECM-KollegInnen,
bei uns im Blog hat sich relativ wenig zum Thema bewegt. Daber hatten wir es in der XING-Gruppe "Information & Document Management" lief schon vor einiger Zeit diskutert: "was kommt nach ECM?" (https://www.xing.com/communities/posts/ist-der-aktuelle-ecm-ansatz-noch-zeitgemaess-1009787177). 
Mittlerweile schlägt das Thema auch international größere "Wellen", da Gartner mit dem Statement "ECM is dead" (http://blogs.gartner.com/michael-woodbridge/the-death-of-ecm-and-birth-of-content-services/) einen dicken Stein ins Wasser des Aquariums geworfen hat. "Content Services" soll die "neue Botschaft" sein. 
Auf der AIIM-Community-Webseite wurden eine Reihen von Beiträgen zum Thema zusammengestellt (http://community.aiim.org/blogs/marko-sillanpaa/2017/02/27/recap-of-the-war-on-enterprise-content-management-ecm/). Auch John Mancini postete seine Meinung (http://info.aiim.org/digital-landfill/6-personal-observations-about-ecm-and-content-services) ebenso wie wir unsere (http://community.aiim.org/germanydeutschland/blogs/ulrich-kampffmeyer/2017/02/14/ok-ecm-is-dead-but/). In der XING-Ambassador-Gruppe "Content Management" gab es einige Diskussionsbeiträge (https://www.xing.com/communities/posts/content-services-als-nachfolger-anstelle-oder-als-ersatz-von-ecm-1012515659), die die "babylonische Begriffsverwirrung" beleuchteten. In der eigentlich "zuständigen" XING-Gruppe "Information & Document Management" aber praktisch gar keine Reaktion (https://www.xing.com/communities/posts/gartner-ersetzt-den-begriff-ecm-durch-content-services-1012465819). 
Ein Ende der Diskussionen in den verschiedenen Kanälen ist übrigens nicht abzusehen - ganz zu schweigen von einer neuen VIsion für die Branche. Aber wen außerhalb der "ECM-Filterblase" interessiert dies überhaupt?
Ulrich Kampffmeyer

Der Versuch, "Content Services" als neue Botschaft anstelle von ECM Enterprise Content Management zu positionieren (siehe http://bit.ly/Content_Services), funktioniert nicht so recht. Zahlreiche Diskussionen pro und kontra finden sich im Web (http://bit.ly/zukunftWECM), ohne dass eine neue, klare Vision sichtbar würde.

John Mancini, Ex-President der AIIM, versucht nun einen anderen Ansatz fortzuschreiben, den AIIM in den vergangenen Jahren als Grundlage für die Entwicklung der Lösungen rund um ECM vorgeschlagen hatte (http://bit.ly/ECM-Quest). AIIM hatte die Begriffe "Systems of Record" und "Systems of Engagement" eingeführt und auf einer Zeittafel anschaulich abgebildet (http://bit.ly/SoRSoE0 und http://bit.ly/SoRSoE1). Die Zeittafel endet 2015. Hier ergänzt nun AIIM das Bild der Entwicklung des "Content Management" um eine dritte Ära (http://bit.ly/SoR-SoE-SoU), die 2017 beginnt: "Systems of Understanding". John Mancini macht hier auch deutlich, dass "Content Services" nur einen ganz kleinen Bereich der größeren Vision abdecken kann. Gut ist, dass man sich nicht mehr nur auf Content beschränkt. Aber "Data" allein ist nun auch nicht die Welt - es geht um nutzbare Information, es geht um "Information Management". Der Begriff "Systems of Understanding" ist ebenso sperrig wie "Systems of Record" und "Systems of Engagement". Alle drei Begriffe sind selbst für Brancheninsider sehr "erklärungsbedürftig" und werden außerhalb unserer Filterblase überhaupt nicht verstanden. Richtige Inhalte, aber zu akademisch und zu abgehoben.

Auch aus diesem Vorstoss wird sich keine neue Vision ableiten lassen, hinter der sich gleichermaßen Anwender wie Anbieter versammeln lassen. 

AIIM Systems of Understanding

 

Die Wellen um die Aussage "ECM is dead" schlagen international hoch. In Deutschland merkt man davon aber praktisch gar nichts. Auf Messen wie der CeBIT fragen die Anwender eher nach Dokumentenmanagement, Archivierung oder Workflow. ECM als Begriff spielt nur bei den Brancheninsidern und Großunternehmen eine spürbare Rolle. Angesichts der Diskussion um "Content Services" muss man aber auch den Begriff ECM Enterprise Content selbst von Zeit zu Zeit auf den Prüfstand stellen. Und natürlich auch, was unter ECM verstanden und wie ECM vermarktet wird. Hier gibt es auch schöne Lehr-Videos. 

Mit unserem Beitrag zur Diskussion um die Bedeutung und Sinnhaftigkeit von ECM Enterprise Content Management möchten wir mit einer Neu-Interpretation des Acronyms befeuern: steht ECM nicht eigentlich schon immer für Enterprise CHICKEN Management? Wenn sich die Marktteilnehmer wie gackernde Hühner verhalten und über Begriffe diskutieren, die eigentlich für die Zielgruppe keine Relevanz haben? Hier das Video, dass die Diskussion erleuchten könnte: http://bit.ly/ECMchicken

Den Link gab es schon einmal vor 3 Jahren bei uns - bevor die Diskussion um ECM und Content Services losging: http://bit.ly/ECM-Chicken

In einem neuen Blog-Post hat Gartner, diesmal Hanns Köhler-Krüner, versucht die Botschaft "ECM is dead" zu "relativieren". Bei uns im Blog und anderer Stelle gegen diesen Vorstoss argumentiert. Der neue Beitrag von Hanns gibt zwar mit einer netten Grafik die Zusammenhänge wieder, aber löst nicht die grundsätzliche Problematik. Hanns Köhler-Krüner schreibt dabei selbst, dass Content Services nur eine "technologische" Differenzierung sind und dem ursprünglichen Anspruch von ECM Enterprise Content Management - Strategien, Methoden & Technologien - nicht gerecht wird - und auch nicht gerecht werden will. Gartner geht es lediglich darum, Produkte besser klassifizieren und einordnen zu können. Die große Vision des durchgängigen Information Management ist nicht im Fokus. Die Differenzierung in CSP Content Services Platforms, CSA Content Services Applications und CSC Content Services Components selbst ist aber unvollständig, wenn man an das große Bild von ECM denkt, das auch Records Management, BPM Business Process Management, elektronische Archivierung und andere wichtige Komponenten beinhaltet. 

Gerade im Bereich Information Management ist es heute entscheidend, nicht zu stark in Technologien zu denken. Diese ändern sich ständig, verweben miteinander, werden zu einer Infrastruktur (wie sie ECM bereits von Anfang an als Vision beinhaltete). Die organisatorischen Aufgaben und Herausforderungen des Anwenders sollten im Vordergrund stehen. Mit Content Services als Begriff wird der Anspruch von ECM, des Information Management, zum Nebenkriegsschauplatz.

Wir bleiben beim Terminus "Information Management", der funktional und technisch gesehen deutlich mehr an nützlichen "Komponenten" (nicht im Sinne von CSC Components) beinhaltet. Sinnvolle Lösungen im Zeitalter der Digitalen Transformation lassen sich nur realisieren, wenn man über die Grenzen der Definitionen und Kriterien von Forrester und Gartner hinausdenkt. 

Die Initiativen rund um die Etablierung des Begriffes "Content Sercvices" sinn nicht hilfreich - weder für Anwender noch für die Branche.

 

Gartner "CSP Framework" Grafilk aus dem Beitrag von Hanns Köhler-Krüner.

 Hans_Koehler-Kruener__Gartner__Content_Services

Die Diskussionen um "ECM ist tot" und "Content Services ist in" reisst nicht ab - kommt aber manchmal mit Verspätung an und ändert andauernd die Richtung. Allein dies zeigt, dass Content Services nicht geeignet ist, als Vision, als "rallying banner" dienen zu können. Auch der internationale Dachverband der Branche, AIIM, ist sich - wie obige Blogbeiträge zeigen - nicht ganz sicher, wohin das Ganze führen soll. John Mancini, AIIM international, hatte erst kürzlich den Beitrag "The Upside-Down World of Content Management – Again" zu Content Services unter den Gesichtspunkten von Sharepoint & Office365 publiziert um nun eine weitere Volte zu schlagen. In seinem Artikel "The Digital Workplace Is Flipping Content Management on Its Head" auf CMSwire (http://bit.ly/2q5Nnta) unterscheidet er nunmehr:

"(1) ECM Land — focused on large scale, mission critical, document-intensive processes (as it has always been)

(2) Digital Workplace Land — focused on automating the creation, management, and integration of knowledge worker content into every day processes."

Auch dies hilft uns nicht weiter. "ECM Land" ist weit mehr als nur die Handhabung von Dokumenten. Und ECM ist nicht nur für große Unternehmen und Anwendungen. Das "Digital Workplace Land" spielt sich auf der Benutzeroberfläche ab, wo ECM nur einige Komponenten beisteuert, um Informationen bereitzustellen, zu finden und in gesicherte Umgebungen zu übernehmen (im Prinzip nur meine vor Jahren postulierten "Drei Knöpfe"). 

Zu einem Blog-Beitrag auf "CIO Kurator" von Stefan Pfeiffer habe ich geantwortet: 

„ECM ist tot“ lautete die provokative Aussage Anfang Januar und Content Services sei nun „in“.Ich halte von „Content Services“ als Kategorie überhaupt nichts. Allein die künstlich geschaffenen Aufteilungen CSP Content Services Platforms, TCS Transactional Content Services, CSA Content Services Applications, BCS Business Content Services, CSC Content Services Components, CSS Content Services Solutions usw. usw. beinhalten keine Vision wo es zukünftig langgehen soll. Und neu sind die Ideen schon gar nicht, da ECM immer schon sich als Middleware, als Service-Layer verstanden hat. Letztlich geht es immer um „Information Management“ – Nutzung, Erschließung, Sicherung, Bewahrung von elektronischen Informationen.
Die Diskussion um den Begriff Content Services läuft schon länger – so einiges bei uns im Blog nachzulesen http://bit.ly/ECM_ContentServices
Forrester begann bereits 2016 ECM umzudeklarieren, Gartner zog 2017 nach. AIIM setzte erst auf „Systems of Understanding“ schwenkt aber nun auch auf „Content Services“ ein. Getrieben von den Marketiers der Anbieter, die unbedingt was Neues brauchen. IBM übrigens vorne weg hat gleich ihren Twitter-Kanal von ECM auf Content Services umdekoriert. Content Services hat nicht den Anspruch von ECM mit Strategien und Methoden sondern ist nur funktional und technologisch getrieben. Das Grundproblem des Begriffes Content ist gerade für den deutschsprachigen Raum ungelöst, da Content mit Web Content assoziiert wird und man ansonsten von Dokumenten spricht. Bei Content Services nach Definition von Gartner sind eine ganze Reihe von ECM-Komponenten „abgehängt“ – von der Collaboration über die Archivierung bis zum BPM Business Process Management. Content Services heißt zurück in die Nische und als Lösung unsichtbar werden. Dies hilft weder Anbietern noch Anwendern.

Diesen Grundtenor haben wir nicht nur in Artikeln und Blogbeiträgen vertreten sondern auch in zahlreichen Vorträgen der letzten Jahr; zuletzt auch gerade zum Thema "Digital Workplace" in Dublin: http://bit.ly/DigitalWorkPlace 

Und lieber Stefan - ECM ist nicht nur "... protokollieren, kontrollieren" - ECM sind die Strategien, Methoden und Werkzeuge um Information zu erfassen, zu erschließen, zu nutzen, zu verwalten, zu schützen, bereitzustelllen und zu bewahren. Dies gilt seit zwei Jahrzehnten und wird weiter Bestand haben - als Infrastruktur, meinetwegen als "Information Services".  

Bei der AIIM geht es jetzt in die richtige Richtung :)  John Mancini hat ein aktualisiertes Whitepaper mit dem Titel "The next Wave - moving from ECM to Intelligent Information Management veröffentlicht. Die Idee, die AIIM in Association for Intelligent Information Management umzubenennen hatten wir schon vor einigen Jahren promotet - und nun geht es in diese Richtung.

 Auch Mancini ist nicht so ganz glücklich mit den Aussagen von Forrester und Gartner zum "Tod von ECM" und zum neu postulierten Begriff "Content Services". Er schreibt:

"Before merrily marching off to some new term, let’s think a little bit about where we’ve been and what that might tell us about where we’re going. Amidst all of this change, there is a great deal that is consistent and we can build upon, even as core underlying technologies undergo enormous change."

Mancini geht von dem Ansatz "People - Processes - Technology" aus und beschreibt zunächst die Veränderungen der letzten Jahre.

Mancini The Next Wave People Processes Technologies

Hiervon ausgehend definiert Mancini die Komponenten von IIM Intelligent Information Management mit "Create -> Capture -> Automate -> Deliver -> Preserve -> Analyze" der IIM Roadmap ab. "Create" war bei der ersten ECM Definition vor 15 Jahren schon einmal als Schlagwort dabei, wurde aber später weggelassen um nicht in die Abteilung "Textverarbeitung" u rutschen. Neue Begriffe sind "Automate" und "Analyze". Ja, hier hat sich sehr viel getan, aber "automate" war schon immer bei Capture, BPM, Deliver und anderen Komponenten dabei. Wirklich neu in der Auflistung wäre nur "Analyze". Ob die  Reihenfolge der Begriffe so sinnvoll ist, sei dahin gestellt, denn z.B. "Automate" funktioniert am Besten gleich mit "Analyze" zusammen. Die klassischen "Manage"-Komponenten fallen nicht ganz unter den Tisch "Manage: Document Management, Collaboration, Web Content Management, Records Management, Business Process Management" sondern werden neu zugeordnet. Diese Zuordnung ist aber alles andere als glücklich.

Mancini Intelligent Information Management
Diese Neu-Zuordnungen passen nicht, da z.B. "eDiscovery" nicht nur "Preserve" ist sondern vel ausgeprägter  "Analytics". Solche Inkonsistenzen gibt es nahezu in jedem der Kästchen. So wird auch diese Zusammenstellung nicht lange Bestand haben sondern durch einen weiteren Wurf ersetzt werden (müssen). Die Grundprinzipien eines übergreifenden Information Management wurden nicht konsequent bis zu Ende durchdacht.

Allerdings findet sich auf Technopedia schon eine Definition für IIM Intelligent Information Management:

Definition - What does Intelligent Information Management (IIM) mean?
Intelligent information management (IIM) is a set of processes that enables organizations to organize, manage and understand all types of data. IIM deals with data such as computer files, spreadsheets, databases and emails. Attributes that define IIM include integration of IP device discovery, data sharing, infrastructure databases, events and alarms, third-party integration, automated patching, and applications. Intelligent information management attempts to further understand all data types.


Bei AIIM sieht dies noch ganz anders aus. In seinem Whitepaper gibt John Mancini dann noch eine 9-Punkte-Liste mit Erläuterungen, wie man denn nun von ECM zu IIM kommen soll:

(1) Intelligent Information Management ... eine griffige Definition für IIM Intelligent Information Management fehlt, obwohl die Erkenntnis dass Daten und Dokumente zusammengehören jetzt drin ist. Aus der Roadmap ergibt sich auch leider keine übergeordnete Vision wie wir sie mit ECM Enterprise Content Management hatten.

(2) There are many "flavors" of solutions ... die geschäftlichen Anforderungen des Anwenders stehen im Vordergrund.

(3) Digital Transformation requires both a top-down and a down-up strategy ... OK, aber die Durchorchestrierung muss von ganz oben kommen.

(4) Digital Transformation is not likely to occur via a Big Bang ... ja, das galt auch schon für ECM, auch wenn die Projekte vielfach zu lange dauerten. Die große Herausforderung ist die enorme Beschleunigung und Dynamik der Entwicklung.

(5) Resist the impulse to simply throw the baby out with the bathwater ... hmm ... ECM wird noch eine Weile weiterleben, oder ... 

(6) Make a commitment to metadata ... ja, Metadaten, Taxonomien, Ordnung sind weiterhin wichtig - aber wo sind sie auf der IIM-Roadmap?

(7) Adopt a day-forward bias ... hmm ... 

(8) Invest in building new data competencies ... ja, der Aufbau von Skills, von KnowHow, von Kompetenz ist entscheidend für Projekte und Nutzung moderner Informationstechnologien!

(9) Lastly, stop thinking about all process issues through an ECM "prism" ... OK, aber das galt auch schon immer!

 

Nein, lieber John, auch diese überarbeitete Version ist "zu kurz gesprungen". Der Ansatz Information Management ist OK, ob es außer im Namen der AIIM "Intelligent Information" braucht ist eine Stilfrage, aber "Content Services" braucht es nicht. Und das ist das einzig Positive an dem AIIM-Whitepaper

Quelle: http://bit.ly/ECM_IIM

Verbände, Analysten ... so richtig weiß wohl keiner wie es in der Ära "nach ECM" weitergehen soll :) ECM 2.0, EIM Enterprise Information Management, Content Services, IIM Intelligent Information Management, Systems of Understanding, Information Management, Land of the Workplace, ... eine kleine Sammlung von Argumenten hier bei uns im Blog http://bit.ly/ECMisdead . Vielleicht enden wir ja wieder bei DRT Document related Technologies, oder für die US-Freunde CRT Content related Technologies - gab es alles vor ca. 20 Jahren schon mal. 
Wir meinen, man sollte nur von Information Management sprechen - den übergreifenden Strategien, Methoden und Lösungen, um Information zu erfassen, zu erschließen, zu nutzen, zu verwalten, zu bewahren und bereitzustellen - als Wissen und in Geschäftsprozessen.

In zwei Keynotes habe ich die Diskussion um die "Zukunft von ECM" angerissen. Als Eröffnungs-Keynote "ECM - und was kommt danach?" (http://bit.ly/Lobonet-Kff) auf dem Lobonet Kundentag 2017 in Erding und als Abend-Keynote "Digitalisierung & Information Management" (http://bit.ly/CENIT-Kff) auf dem Cenit EIM Informationstag in Böblingen. Beide am 22.6.2017. Natürlich gehörte auch die Besprechung aktueller Branchenthemen wie Content Services, IIM Intelligent Information Management, EIM Enterprise Information Management usw. dazu. Die Keynote in Erding gab es auch als Life-Stream und von beiden Vorträgen gibt es auch Videoaufzeichnungen.

Wie ich dabei erfuhr, will sich nun auch der deutsche Branchenverband VOI an dieser Diskussion (die es schon länger gibt - siehe z.B. hier http://bit.ly/ECMzeitgemaess auf XING oder hier in diesem Diskussionsstrang http://bit.ly/ECMaktuell in unserem Blog) beteiligen.

Neuen Kommentar schreiben