Rückblick 2013 | Ausblick 2014

Goodbye 2013 Hello 2014 | Trends im EIM Enterprise Information Management

Was bewegte die Enterprise-Information-Management-Branche 2013? Was wird in 2014 wichtig? Die Fachzeitschrift BIT hat wie in jedem Jahr diese Fragen an ausgewählte Branchenexperten gestellt. Hier unser Beitrag von Dr. Ulrich Kampffmeyer!

Sozusagen im Vorgriff auf unsere EIM-Update-Veranstaltungsreihe im Januar 2014 (Agenda, Orte, Anmeldunghttp://bit.ly/EIM2014) gibt es hier in zwei Blöcken den Jahresrückblick und den Ausblick. Organisiert hat die Runde Jacques Ziegler von der BIT. Auf der Webseite der BIT finden sich auch die Beiträge der anderen Experten: http://bit.ly/BIT-Rü2013.

Jahresrückblick 2013

Jacques Ziegler, Frage 1: Ihr spannendstes Branchenerlebnis?

Ulrich Kampffmeyer: Das spannendste Branchenerlebnis war, wie sich die Preise zur Übernahme von SAPERION dahinschaukelten. Die spannenden Ereignisse fanden aber eigentlich außerhalb unserer geliebten Branche statt.

Jacques Ziegler, Frage 2. Ihr langweiligstes Branchenerlebnis?

Ulrich Kampffmeyer:  Beim langweiligsten Erlebnis könnte man viele Veranstaltungen aufführen, die immer noch nach Schema „X“ laufen. Besonders haben viele Anbieter immer noch nicht gelernt, dass es wenig Sinn macht, platte Vertriebsvorträge zu ihren Produkten abzuspulen. So wird dann aus dem Vertreiben von Produkten schnell das Vertreiben von potentieller Kunden. Hier zeigt sich auch deutlich, dass viele in der Branche immer noch im eigenen Saft kochen und es nicht schaffen über den Tellerrand auf die immer schneller werdende Entwicklung der digitalen Technologien zu reagieren.

Jacques Ziegler, Frage 3. Herausragende Themen waren?

Ulrich Kampffmeyer: Als herausragendes Thema der Branche im engeren Sinn sehe ich die Öffnung zu EIM Enterprise Information Management. Es macht keinen Sinn mehr, Systemklassifizierungen nach Formaten von Information vorzunehmen – z.B. Dokumenten-Management, Content-Management oder Asset-Management. Letztlich ist alles Information und muss übergreifend verwaltet und nutzbar gemacht werden. Dabei fällt die Trennung zwischen strukturierten Informationen (Datensätze, Daten in Datenbanken) und unstrukturierten Informationen (Dokumente). Systeme müssen heute alle Formate auf beliebigen Clienten und mit unterschiedlichsten Nutzungsmodellen bereitstellen – von Mobile bis zur Cloud. Als herausragende Themen der ITK-Branche sehe ich immer mehr „Allgewärtiges Computing“ (Ubiquitous Computing), der leichte Rückschlag für die Cloud und das Vertrauen ins Web durch den NSA-Skandal, das Überrunden herkömmlicher PCs und PC-Oberflächen durch mobile Geräte, die Beherrschung des Webs durch eine (oder wenige Firmen), der Start des E-Invoicing in Europa und andere Entwicklungen der zunehmenden Durchdringung von Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft durch digitale Techniken. Diese färben auch auf die Enterprise-Information-Management-Branche ab und werden dort teilweise adaptiert.

Jacques Ziegler, Frage 4: Besondere Veränderungen in der Anbieterlandschaft, die Ihnen aufgefallen sind?

Ulrich Kampffmeyer: Auch in 2013 gab es wieder eine Reihe von größeren und kleineren Akquisitionen – IBM, Perceptive, OpenText, Kofax, Oracle, HP, Docuware und andere legten sich Unternehmen per Aufkauf zu. Internationale Anbieter wie Perceptive, Hyland oder M-Files bewegen sich nun in den deutschen Markt. Kleinere Anbieter und Systemintegratoren setzen immer mehr auf Beratung und Lösungen. Auch deutsche mittelständische Anbieter sind nicht vor Übernahmen gefeit, wie wir dies dieses Jahr mit SAPERION erlebten. Der deutsche Mittelstand setzt verstärkt auf Kundenähe und fertige Branchenlösungen um dem Druck internationaler Anbieter standzuhalten. Sharepoint ist auf dem Höhepunkt in Punkto Inhouse-Lösungen und bietet immer noch zahlreiche Möglichkeiten für Integratoren und Softwareanbieter Zusatzmodule und Zusatzleistungen zu verkaufen. Diese Trends, die sich bereits in den vergangenen Jahren abzeichneten, setzen sich fort.

Jacques Ziegler, Frage 5: Besondere Innovationen (Lösungen, Technologien)?

Ulrich Kampffmeyer: Besondere Innovationen habe ich nicht gesehen. Das liegt aber sicher auch daran, dass Enterprise Content Management matur ist und man sich mit Verbesserungen und Adaptionen bescheiden muss. Vieles was als Innovation angekündigt wurde, stellte sich dann als Übernahme oder Adaption heraus, die aus anderen Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologie entlehnt war. Dies ist nicht negativ, sondern zeigt das Bemühen der Branche Nutzen aus den zum Teil sehr „oberflächlichen“ Produkten im Umfeld von Web 2.0, Apps und Mobile zu ziehen.

Jacques Ziegler, Frage 6: Die größte Überraschung?

Ulrich Kampffmeyer: Die größte Überraschung war … ja, was eigentlich? Nehmen wir dieses: Es gibt immer noch mutige Unternehmer in Deutschland, die völlig neu in den DMS-/ECM-/EIM-Markt mit neuen Firmen und neuen Produkten starten. Einer wollte doch da sogar Marktführer werden und mit Doo Unternehmen wie Evernote, Dropbox, Office365 und Box die Stirn bieten.

Jacques Ziegler, Frage 7: Das größte Ärgernis?

Ulrich Kampffmeyer: Größte Ärgernisse verzeichne ich gleich drei:  
(1) Der NSA-Skandal: hier kann ich mich nicht entscheiden, was mich mehr ärgerte – der Umfang der Überwachung, die Ignoranz, Arroganz, Unfähigkeit und Feigheit unserer Regierung oder die Bequemlichkeit weiter Gesellschaftskreise, die das Thema letztlich im Untergrund verschwinden lässt. Das Schreien nach mehr Sicherheit in den Unternehmen wird irgendwann verstummen.  
(2) Die „Signatur-Nachsignier-Scan-Show der Nürnberger-Prozesse“ – wo DATEV und bekannte Signatur-Gurus zunächst Verunsicherung erzeugten – „Elektronische Rechnungen werden zum Streitfall“ – um damit Interessenten und Presse nach Nürnberg zu locken. Diese Verunsicherung war absolut unnötig!  
(3) Die verpasste Chance mit dem neuen E-Government-Gesetz – bisherige technologische Hürden wie Signatur, Nachsignieren beim Scannen, De-Mail etc. wurden fortgeschrieben und damit eine zügige Entwicklung einer modernen Verwaltung verhindert. Deutschland wird so nie auf die vorderen Ränge des europäischen E-Government-Ranking kommen.

Jacques Ziegler, Frage 8: Aufsteigerunternehmen des Jahres?

Ulrich Kampffmeyer: Aufsteigerunternehmen nur einmal auf unsere "ECM"-Branche bezogen: international: Perceptive und Hyland; Schweiz: qumram, Deutschland: Amagno, Finnland: M-Files. Auch wenn dies sich wirtschaftlich noch nicht so bei allen zeigt.

Jacques Ziegler, Frage 9: Flops im Management?

Ulrich Kampffmeyer: No comment.

Ausblick auf 2014

Jacques Ziegler, Frage 10: Trend-Prognose für 2014 bezüglich Markt, Technologien, Themen?

Ulrich Kampffmeyer: In 2013 haben wir auf unserer EIM Update Veranstaltung eine Liste mit über 170 sogenannten Trends unterschiedlichster Couleur und Analysten zusammengestellt (Handout http://bit.ly/EIM2012). Für 2014 (EIM Update Januar 2014 Prgramm http://bit.ly/EIM2014) hoffen wir mit weniger Trendaussagen auszukommen.

Auf die EIM-Branche bezogen wird es wieder viele Übernahmen geben – viele größere Unternehmen haben gut gefüllte Kriegskassen. Ich wage mal die  Einschätzung; dass es auch wieder einen deutschen Mittelständler „erwischen“ wird.

Ubiquitous, Mobility & Cloud werden auch in 2014 die Entwicklungen beim EIM dominieren – zumindest in den Schlagzeilen.

Die Branche wird am Abbau der „Hürden“ bei Komplexität, User-Interfaces und Usability weiterarbeiten, denn mit den bisherigen Oberflächen kann man keinen Staat machen. Hier wird sich auch auswirken, dass Microsoft und damit die bisher beherrschende Philosophie der Nutzungsmodelle und Oberflächen in den Hintergrund gedrängt wird.

Die elektronische Rechnung wird auf europäischer Ebene zum Erfolgsmodell, auch wenn wir mit ZUGFeRD in Deutschland eher dahinstolpern, wenn man z.B. die Einführung der elektronischen Rechnung in Österreich als Maßstab nimmt.

E-Government bleibt weiter schwierig und leider werden sich noch weitere finden, die wie die Bundesagentur für Arbeit auf Resiscan und/oder De-Mail setzen.

Records Management und Information Governance gewinnen in engen Zirkeln mehr Bedeutung und auch der eine oder andere Anbieter nimmt sich stärker des Themas an.

Sicherheit und Investitionen in mehr Sicherheit bleiben aber auch in 2014 vielfache Lippenbekenntnisse. Nur sehr große und sehr innovative Unternehmen machen hier Ernst – der Rest guckt weg.

Die Verbesserung und Durchgängigkeit der Prozesse im Unternehmen und über das Unternehmen hinaus zu Kunden, Lieferanten, Partnern, Presse, Verwaltung und Öffentlichkeit wird immer wichtiger: Business Process Management steht daher bei vielen Anwendern auf der Implementierungsliste.

Gleiches gilt für Enterprise Search und BigData, um mehr Honig aus den Daten und Informationen zu sammeln.

Dies sind alles Themen, die über ECM hinausgehen, aber zum Spektrum von EIM Enterprise Information Management gehören. Das beherrschende Thema für die Branche wird aber weiterhin die Integration von DMS-/ECM-/EIM-Techniken in bestehende Anwendungen sein – übrig an der Oberfläche bleibt nur noch der Viewer, ein Postkorb oder die elektronische Akte.

Die Branche selbst wird sich in 2014 noch ein wenig mehr als in der Vergangenheit zersplittern – deutlich sichtbar bei den Veranstaltungen: Neben CeBIT und DMS EXPO sowie die zahllosen Hausveranstaltungen und Tagungen tritt eine weitere Veranstaltung mit dem Anspruch, der Mega-Event für ECM zu sein (oder zu werden).

Im Übrigen wird unser Thema weiterhin nur ein Nebenkriegsschauplatz der allgemeinen ITK- und gesellschaftlichen Trends sein – ziemlich unwichtig, obwohl ein geordnetes Informationsmanagement immer wichtiger wird. Die Anbieter und die Verbände werden die Themen aber ebenso wie in 2013 so staubig und langweilig „verkaufen“ dass es den Anwender kaum interessiert. Das „papierlose Büro“ wird in 2014 auch wieder am Donnerstag, dem 23.10.2014 (#WPFD World Paper Free Day) nicht stattfinden.

Zum Schluss – Change Management ist bei der Umsetzung von Enterprise Information Management und vieler anderer technischer Umwälzungen das Allerwichtigste – daher definieren wir ECM hiermit offiziell in Enterprise CHANGE Management um!

Ansonsten haben mir die Trends von Dr. Wilhelm Greiner „Prognose: Warum 2014 für die IT das absolute Hammer-Jahr wird„ sehr gut gefallen, denen ich mich uneingeschränkt anschließe: http://bit.ly/wGreiner-Trends2014.

 

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