Gartner Magic Quadrant, Nucleus Value Matrix & other ECM stuff

Im Spät-Herbst kommen meistens die zahlreichen Reports der Analysten heraus. So auch wieder die Gartner Magic Quadrants für WCM, ECM und anderes oder die Nucleus Value Matrix for ECM. Hier zum Start nur die Grafiken - die Besprechung der Reports folgt später.

 

Ja, wir wissen, man soll nicht allein die Grafiken veröffentlichen, weil die Kriterien, die Hintergründe der Einschätzung, die Restriktionen und andere wichtige Einzelheiten aus der Grafik allein nicht ablesbar sind. Ach ja, und einige der kartierten Anbieter sind auch schon nicht mehr eigenständig am Markt: bei ECM übernimmt OpenText nun Documentum und bei WCM wurde Hippo gerade von BloomResearch übernommen.
Von Gartner gibt es auch einen Hype Cycle für EIM Enterprise Information Management (wann werden denn endlich ECM und EIM zusammengeführt?) - die 59 Seiten kosten allerdings fast 2000 $US (deshalb gibt es hier nur die Grafik des EIM Hype Cycle von 2015).

Gartner Magic Quadrant Enterprise Content Management 2016

www.project-consult.de/files/Gartner Magic Quadrant ECM 2016.pdf

Positiv am Report ist, dass es auch wieder eine separate Bewertung für die Situation in Europa gibt. DIe Kriterien, was nun ECM Enterprise Content Management ausmacht, wurden auch überarbeitet - und einige Bereiche fehlen weiterhin, da sie anderen Quadranten zugeordnet sind.

Gartner Magic Quadrant Web Content Management 2016

http://www.PROJECT-CONSULT.de/files/Gartner Magic Quadrant WCM 2016.pdf

Nucleus Value Matrix ECM 2016

Gartner Hype Cycle Enterprise Information Management 2015

Kommentare

Eine Frage kommt immer wieder hoch: welche Relevanz haben internationale Studien zum Information Management Markt in Deutschland. So auch wieder bei unserem Update Information Management 2017 (Stuttgart kann noch gebucht werden: http://bit.ly/S01_17S). Welche Aussagen kann man aus den Quadranten von Gartner, den Waves von Forrester, den Grids von G2Crowd und all den anderen internationalen Trendaussagen ableiten? 

Hier gilt es zunächst einmal die demografischen Daten zu eruieren, die leider nicht bei allen Studien offen gelegt werden. Anzahl der Befragten, Art der Fragen, Kriterien, Methodik, Region, Größe der Unternehmen, Art der Unternehmen, Prüf- und Normierungsverfahren, verwendete Adressdatenbanken, Rohdaten-Bereitstellung und vieles mehr. Die großen Analysten-Häuser legen ihre Datenquellen und ihre Methodik zumindest in Teilen offen. Allerdings ist zu beobachten, dass bei der US-basierten Analystenhäusern natürlich der US-amerikanische Markt deutlich überrepräsentiert ist. Bei einigen Studien hat allerdings zumindest Gartner auch einmal dedizierte Exerpte für Europa erstellt (http://bit.ly/GMQ_ECM_Europa). Und man kann davon ausgehen, dass die internationalen Entwicklungen durch die Globalisierung mit etwas Verspätung sich auch so im deutschen Markt bemerkbar machen - trotz all der deutschen Sonderlocken und der besonderen Anbieterlandschaft mit zahlreichen deutschen Mittelständlern.

Aber werfen wir einmal einen Blick auf die Anbieter im aktuellen Gartner-ECM-MQ-2016 (http://bit.ly/GMNQ_ECM_2016). Und - ja - an einigen Stellen ist der Magic Quadrant bereits wieder überholt. 

OpenText ist nun international der führende Anbieter für ECM & EIM. Auch SAP bietet sein ECM auf Basis von OpenText an (http://bit.ly/SAP--ECM). OpenText hat von EMC/Dell die Content Division mit Documentum, Captiva, Leap, InfoArchive und anderen Produkten übernommen (http://bit.ly/2k7MUD2). Dies interessiert natürlich zahlreiche große Anwender im Bereich Pharma, Chemie, Finanzen etc., die Documentum mit verschiedenen Aufsätzen im Einsatz haben. Wird Documentum weiterentwickelt? Die Adlib-Bibliothek für Documentum wird schon nicht mehr unterstützt. Aber zusammen mit Documentum müsste sich OpenText jetzt ganz oben rechts im Quadranten wiederfinden. Bei EMC/Dell stehen zudem noch andere Komponenten in Frage, wie das Archivspeichersystem EMC Centera (http://bit.ly/GartnerCentera). EMC/Dell müsste so gesehen ganz aus dem Quadranten herausfallen.

Im "Leader"-Quadranten ist noch IBM unterwegs - schon immer. Aber die Strategie von IBM ist gerade im Umbruch. Schwerpunkt liegt offenbar auf der Kombination von IBM Content Services mit Box und Watson (http://bit.ly/IBMBOXWATSON) und Lösungen aus der Cloud. IBM FileNet P8 wird weitergepflegt, aber bei Content Manager und Content Manager on Demand gab es erhebliche Veränderungen. So wurde Entwicklung und Support an das Unternehmen UNICOM abgegeben (http://bit.ly/IBM-Unicom). UNICOM hatte in der Vergangenheit bereits eine ganze Reihe von IBM-Produkten übernommen, die nicht mehr im strategischen Fokus waren (http://bit.ly/2jHHHhy). IBM verkauft zwar noch Content Manager und Content Manager on Demand, aber die Entwicklung findet jetzt wohl in Südkorea statt. Natürlich ist es für alle - zum Teil sehr großen - Anwender von IBM-Software wichtig, in welche Richtung IBM zukünftig geht. Und da ist die Abkehr vom Terminus ECM Enterprise Content Management hin zu Content Services auch ein Indiz, das sich im Text der Gartner Studie wiederfindet.

Die anderen Großen der letzten Jahre, die sich im "Leader-Quadranten" tummelten, sind herausgerutscht: Oracle, HPE, Lexmark, Microsoft. Lexmark hat mit Saperion auch eine Reihe von großen Installationen in Deutschland. Nun wurde Lexmark insgesamt verkauft (http://bit.ly/LexmarkECM), die Software Division abgespalten und wird nun zerlegt an den Markt gebracht. Auch dieses spiegelt sich in den Einschätzungen des Quadranten wieder. Oracle und HPE haben mit ihren Produkten nie eine größere Rolle in Deutschland gespielt. Und Microsoft mit Sharepoint hatte eigentlich nie zum engeren Kreis der ECM-Anbieter gehört.

Interessant wird es noch einmal, wenn man sich die Aufrücker im Magic Quadrant von 2016 ansieht: Hyland und M-Files. Beide Unternehmen sind international bereits stark vertreten und seit einiger Zeit auch mit Niederlassungen und Partnern in Deutschland unterwegs. Moderne aber ausgereifte Produkte, die funktional durchaus mit IBM FileNet, den Opentext-Grundmodulen und den deutschen Mittelständlern mithalten können. Echte Alternativen im Markt für Enterprise Content Management. Hyland "Onbase" mit einfach zu bauenden Enterprise-Information-Management-Plattform-Lösungen, M-Files mit einem konsequenten Meta-Datenmanagement-Ansatz.Auch dies ist für Anwender in Deutschland durchaus relevant, besonders wenn die Anwenderunternehmen selbst international unterwegs sind.

Bleibt der Blick auf den einzigen deutschen Anbieter, zu finden im linken unteren Quadranten: SER. Im Vergleich zum Vorjahres-Quadranten etwas zurückgefallen, was auf die Änderung der Kriterien und Punkte-Vergabe bei Gartner zurückzuführen ist. Im Bereich Web- und Collaboration ist SER nicht so gut aufgestellt wie der Wettbewerb. Das größte deutsche ECM-Software-Unternehmen arbeitet aber daran, sich international weiter auszubreiten. Für große Anwenderunternehmen ist es jedoch schon wichtig, dass auch ein deutscher Anbieter internationale Anerkennung findet.

Die anderen Anbieter des Quadranten betrachten wir hier einmal nicht, da sie auch kaum Relevanz für den deutschen Markt haben - außer noch Alfresco, die über einige Integratoren gut etabliert sind. Man soll natürlich die Liste der von Gartner untersuchten Unternehmen nicht als "Short List" für eine Produktauswahl nehmen, aber es ist schon interessant die anderen bei einer Auswahl in Frage kommenden Anbieter in Bezug auf die Kriterien der großen Analystenhäuser zu vergleichen. Für das Anwenderunternehmen stellt sich dann die Frage, ist es mir wichtig, dass "mein" Anbieter international "bewertet" ist oder lege mehr Gewicht auf lokale Präsenz, deutsche Unternehmenskultur, direkte Betreuung und bessere Kenntnis des Branchen- und rechtlichen Umfeldes. Die Studien der Analysten können so zumindest als Benchmark und als Anregung zum Hinterfragen dienen - gerade wenn es um zukünftige strategische Ausrichtungen und Entscheidungen mit langfristiger Bindewirkung geht.

Nicht umsonst setzen wir uns bei PROJECT CONSULT, in unseren Publikationen und Seminaren sehr kritisch mit den Ergebnissen internationaler Studien auseinander - aber sie sind immer ein guter Ausgangspunkt für das Hinterfragen der Marketingaussagen der Anbieter.

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