Bundesregierung: Deutschland zukünftig führend bei KI?

18.11.2018

Die Häme im Netz überschlägt sich. Die Bundesregierung will in den nächsten Jahren 3 Milliarden Euro in die Förderung der künstlichen Intelligenz investieren ... Das Strategiepapier der Politik schwankt irgendwo zwischen Hoffnung, Ängsten und Ignoranz. Viele Themen sind nur als Prüfungsbedarf ausgewiesen und in die Zukunft vertagt. In Zeiten, wo die großen Internet-Konzerne, die aktuell um die Vorherrschaft beim Thema KI kämpfen - AliBaba, Amazon, Apple, IBM, Microsoft und ein halbes Dutzend weitere Unternehmen aus USA und China - solche Summen alle paar Monate investieren. 100 Professuren sollen geschaffen werden obwohl aktuell 15 unbesetzt sind. Unternehmen sollen Hilfen bekommen, wo doch das Wichtigste, das geeignete Personal immer rarer wird. Wer heute Geld machen will, gründet ein KI-Start-Up und lässt sich kaufen, oder wechselt gleich für ein paar Hundertausend Dollar Jahresgehalt zu den Unternehmen, die die Nase vorn haben. Die Chinesen, die von staatswegen in KI investieren, müssen sich nach der Ankündigung in Deutschland halb totgelacht haben. Früher einmal, in den Tagen der Expertensysteme, war Deutschland gar nicht so schlecht, aber heute? Selbst das DFKI, der Hort der deutschen KI-Szene mit inzwischen vierstelligem Personal, zweifelt daran es zu schaffen. In Deutschland fehlen nämlich nicht nur die KI-Spezialisten, sondern ganz einfach die Grundausstattung, vom schnellen Internet bis zur Ausrüstung der Universitäts- und Forschungsinstitute. Kommt jetzt noch in dem Vorhaben die deutsche Gründlichkeit, sprich Bürokratie, zum Tragen, wird das Ganze nur eine Lachnummer. Leider sieht es auch in den anderen Staaten Europas und der EU insgesamt nicht viel besser aus. Unter den führenden KI-Unternehmen ist keines aus Europa. Die Kongresse und wissenschaftlichen Publikationen werden von Unternehmen wie Google dominiert. Und wo so wenig Substanz ist, kommt auch mit dem Einsatz von Geld nichts weiter hinzu. Software, Robotik, Automatisierung, Cyborgs, Digitalisierung ... alle diese Themen leben von der Entwicklung von "intelligenter" Software. In zwei, drei Jahren wird es dann wieder die Berichte geben, die uns ähnlich wie bei Kommunikations-Infrastruktur, Bildung und E-Government, schlechte Noten geben, aber erneut Besserung geloben.

Was man besser machen kann, was man überhaupt in Deutschland tun kann - leider auch bei uns zur Zeit keine Idee. Aber Geld allein, und das nur tröpfelweise, wird die Situation nicht ändern.

Kommentare

Zunächst und vor Allem - 3 Milliarden Euro verteilt auf vier, fünf Jahre ist ein Tropfen auf den heißen Stein (http://bit.ly/KI-DE). KI, Künstliche Intelligenz, ist ein heißes Thema, das in anderen Staaten vom Staat und Internet-Konzernen monatlich mit Milliarden befeuert wird. Wir sind in Deutschland spät dran. Die SAP User Community findet es zumindest gut, dass sich Deutschland endlich aufrafft: http://bit.ly/2SibEps: "Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) hält eine staatliche KI-Strategie für einen starken Wirtschaftsstandort Deutschland für unabdingbar. Gleichzeitig plädiert der Industrie- und Anwenderverband für eine sinnvolle und nachhaltige Umsetzung, die jedoch zeitnah erfolgen muss, um im Wettbewerb Stand zu halten.
Am 3. und 4. Dezember 2018 will die Bundesregierung in Nürnberg die Digital Strategie vorstellen - wie schon im Mai mitgeteilt: http://bit.ly/2AH17Ng.
Leider platzte jüngst die Absage der CEBIT in die Aufbruchstimmung - und natürlich, Vorhandensein oder Nichtvorhandensein der CEBIT hat nun gar nichts mit dem Thema Digitalisierung in Deutschland zu tun ... oder?

Die KI-Strategie der Bundesregierung (http://bit.ly/BMWI-KI) - ein Tropfen auf den heißen Stein, zu wenig Geld, zu wenig nachgedacht - das passt alles nicht. Längst ist Deutschland, längst ist Europa im Kampf ums Internet ausgeschieden. Dies zeigt auch der Screenshot mit den 20 führenden Internet-Giganten.

Top 20 Internet Giants

KI ist der Hot Topic im Kampf der Giganten, der im wahrsten Sinne "heiße Stein", auf dem die sogenannte Strategie der Bundeskanzlerin verdampft. Aber eigentlich geht es ja gar nicht um das Geld des Bundes, sondern den generellen Mindset ;) Da ist die Agenda der Tagung in Nürnberg, 3.-4.11.2018, ein Beispiel dafür, warum es mit der Digitalisierung nicht vorangeht. Nimmt man dazu noch den Bericht des "BMWE Monitoring DIgitale Wirtschaft 2018", wo sich Deutschland im internationalen Vergleich um 1 Punkt verbessert hat, dann kann man nur noch resignieren und zusehen, wie unten in der Liste die Chinesen die USA wegdrücken und von Europa nie etwas zu sehen sein wird.

BMWE Monitoring Digital Wirtschaft 2018

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