De-Mail ist ein De-bakel, schreibt Sascha Lobo

17. April 2013 08:19 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


Nun, wenn jetzt auch Sascha Lobo massiv über De-Mail herzieht ( http://bit.ly/DeMail-fail ) und schreibt "Staatsprojekt De-Mail taugt als Vorzeigemisserfolg" muss ja was dran sein, an der Kritik. Bei PROJECT CONSULT haben wir uns zum Beispiel in unserer Diskussionsgruppe auf XING schon seit der Vorlage des De-Mail-Gesetzes kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt (15.12.2010): http://bit.ly/Mail-XIDM . 

Inzwischen hält De-Mail als Pflichtvorgabe Einzug in zahlreiche Gesetze: E-Government ( Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung http://bit.ly/ZRa4bu, Entwurfstext http://bit.ly/eGov-GFeV ), Justiz-Kommunikation ( Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs in der Justiz http://bit.ly/17eFlJb, Entwurfstext http://bit.ly/GFeRvG) usw. Da sich die qualifizierte elektronische Signatur QES nicht durchgesetzt hat (außer in einigen "exotischen" Anwendungsgebieten wie Scannen, Geburtsurkunden, Gefahrgutsnachweise etc., und zu dem mit der zusätzlichen Hürde des Nachsignierens versehen wurde) sollte mit De-Mail nun die "rechtssichere Kommunikation"  eingeleitet werden. Dabei gibt es grundsätzlich keine "Rechtssicherheit", da sich Gesetze nachträglich und auch rückwirkend ändern können (und dies bei Aufbewahrungsfristen von Jahrzehnten nicht die Ausnahme sondern der Regelfall ist). Nach viel Hin-und-Her macht der Hauptwettbewerber, die Post mit dem E-Postbrief, nicht mit. Dabei ist noch nicht einmal die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die Nicht-Einhaltung von Standards oder die Zustellungsfiktion bei Einschreiben so kritisch. Viel kritischer ist, dass Deutschland hier einen Sonderweg geht und sich mit einer total proprietären Neuerfindung der E-Mail vom weltweiten elektronischen Geschäftsverkehr abkoppelt.

Wir setzen De-Mail nicht ein!

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Curriculum auf Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Kampffmeyer

3 Kommentare zu “De-Mail ist ein De-bakel, schreibt Sascha Lobo

  • Die Auseinandersetzung um die De-Mail geht weiter
    31. Mai 2013 um 14:19
    Permalink

    Die Post kämpft gegen De-Mail an und zieht alle Register – von den Ministerpräsidenten bis zur Europäischen Kommission (http://bit.ly/PC_eGovG). Leicht lächelnd stichelt 1×1 dagegen. Wie das Ganze ausgeht, ist offen. Allerdings scheinen weder De-Mail noch der EPostbrief der große Renner zu sein. Beide sind halt typisch deutsche, proprietäre Gewächse. Während überall diskutiert wird, wie man im Zeitalter von Social Media die E-Mail abschafft (oder zumindest einschränkt) erfindet Deutschland die "sichere" E-Mail gleich zweimal neu.

    Aktuelles von der WirtschaftsWoche: http://bit.ly/DeMail-Lobby

    "Vor einer Woche forderte die Deutsche Post die 16 Ministerpräsidenten in einem Brief auf, ein Gesetz zur Behördenreform abzulehnen. Nun folgt die Retour der Wettbewerber. Sie fürchten eine Lex Deutsche Post, sollten die Länderchefs nachgeben."

    Aktuelles vom SPIEGEL online: http://bit.ly/SPON-EPost

    "Die Post hat kräftig in den E-Postbrief investiert – doch die E-Mail-Alternative könnte vom Einsatz in der öffentlichen Verwaltung ausgeschlossen werden. Ein Gesetz sieht stattdessen das Konkurrenzverfahren De-Mail vor. Nun hat der Post-Vorstand die 16 Länderchefs per Brandbrief um Hilfe gebeten. Auf knapp zwei Seiten warnt Post-Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes die Länderchefs vor "gravierenden Konsequenzen" für seinen Konzern. Es geht um ein Gesetz, mit dem die öffentliche Verwaltung an das digitale Zeitalter angeschlossen werden soll. Den Bundesrat beschäftigt dieses Gesetz Anfang Juni. Ein wichtiger Bestandteil des sogenannten E-Government-Gesetzes: Behörden und Bürger sollen künftig elektronisch miteinander kommunizieren können, über eine sichere Alternative zur E-Mail. Die Deutsche Post hat mit dem E-Postbrief eine solche Alternative entwickelt. 500 Millionen Euro habe der Konzern investiert, schreibt Gerdes den Ministerpräsidenten. Mit dem Projekt wolle man die Zukunft des Unternehmens in einer digitalen Welt gestalten."

    Antwort
  • De-Mail in der Praxis - Feldstudie
    5. Juni 2013 um 16:03
    Permalink

    Unabhängig von der “Schlammschlacht” zum Thema E-Government und De-Mail vs. E-Postbrief und den Diskussionen um die Umsetzung des Systems, haben wir eine in einer Feldstudie untersucht, wie weit De-Mail 2 Jahre nach Verabschiedung des Gesetzes in der Praxis angekommen ist.

    Die Studie kann über unseren Blog heruntergeladen werden: http://safeaddress.wordpress.com/2013/06/05/de-mail-ist-die-neue-schneckenpost/

    Antwort

Neuen Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich stimme zu, dass die von mir eingegebenen Daten einschließlich der personenbezogenen Daten an PROJECT CONSULT übermittelt und dort zur Prüfung der Freischaltung meines Kommentars verwendet werden. Bei Veröffentlichung meines Kommentars wird mein Name, jedoch nicht meine E-Mail und meine Webseite, angezeigt. Die Anzeige des Namens ist notwendig, um eine individuelle persönliche Kommunikation zu meinem Beitrag zu ermöglichen. Anonyme oder mit falschen Angaben eingereichte Kommentare werden nicht veröffentlicht. Zu Nutzung, Speicherung und Löschung meiner Daten habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen.

Ich versichere, alle gültigen Vorgaben des Urheberrechts beachtet zu haben. Dies betrifft besonders die Nicht-Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Material und die Nicht-Verwendung von Inhalten und Links zu Inhalten, die dem Leistungsschutz unterliegen. Für den Inhalt meines Kommentars bin ich trotz Prüfung und Freischaltung durch PROJECT CONSLT ausschließlich selbst verantwortlich. Meine Rechte am Beitrag werden bei PROJECT CONSULT nur durch die CC Creative Commons Vorgaben gewahrt. Für die Verfolgung mißbräuchlicher Nutzung meiner Beiträge durch Dritte bin ich selbst verantwortlich.