Dell übernimmt EMC: und was wird aus Documentum?

Es ist der größte Deal des Jahres, nein, der größte Deal in der IT-Welt bisher. DELL übernimmt EMC. 67 Milliarden US-Dollar! Da wird viel über die gemeinsame Zukunft als Technologie-Konzern geschrieben. Aber was wird aus den ECM- Softwareprodukten?

Dell und Silver Lake (eine Investment-Firma) kaufen das Traditionsunternehmen EMC. Angesichts der Riesensumme von 67 Milliarden US-Dollar (wie lange hält sich Griechenland mit soviel über Wasser?) schreiben alle über den Deal. Die Presse ist voll mit Meinungen, ob dieser Deal gelingt: "Dell and EMC to Combine, creating premier end-to-end technology company". Ob Dell überhaupt das Geld zusammenbekommt. Ob so eine Firma eine Zukunft hat. Es gibt so viele Artikel, da sparen wir uns die Links (ach nehmen wir mal einen, Peter Marwahn auf ZDnet).

Hier wollen wir einen anderen Aspekt des Deals beleuchten: was passiert zukünftig mit der Software Division von EMC, besonders mit den für den EIM-Markt relevanten Produkten Documentum, Captiva und DocuScience (und ein paar anderen kleineren)?

Das Ganze ist ein Hardware-Deal. Das Goldstück VMware bleibt außen vor und bleibt auch an der Börse. Es geht um Technologie: "… brings together strong capabilities in the fastest growing areas of our industry, including Digital Transformation, Software Defined Data Center, Hybrid Cloud, Converged Infrastructure, Mobile and Security.".
Michael Dell hatte nie ein gutes Händchen für Software und hat es nie geschafft, eine konkurrenzfähiges Enterprise Software Business auf die Beine zu stellen. So stellt sich die Frage, ob es Documentum und den anderen Software-Divisions so geht, wie vielen anderen beim Kauf durch ein größeres Unternehmen (Beispiele gibt es genug von HP über IBM und Oracle und Lexmark und OpenText und Microsoft und und … und EMC selbst).

Als Einstieg zwei Artikel von Kollegen, die Documentum sehr nahe stehen (oder standen).

Laurence Hart (Word-of-Pie) beschreibt in seinem Blog "Dell, EMC, and Poor Documentum" zwei zukünftige mögliche Szenarien:
Rettung (Salvation)
Joe Tucci hatte sich auch nie besonders um seine Software-Division gekümmert und neue Documentum-Releases kamen nur zögerlich auf den Markt. Aber mit dem NGIS (Next Generations Information Server) hatte man etwas ganz Gutes neu im Portfolio … aber wo ist das Ding? Laurence meint, unter neuer Führung könnten auch die neuen Entwicklungen wieder aufblühen. Eine Chance für Documentum.
Todesspirale (Death Spiral)
Die zweite Alternative beschreibt einen schleichenden Niedergang, das Melken der Wartungskunden. Vielleicht aber auch den Verkauf der ECM-Produkte, um Geld für die Übernahme reinzubekommen, oder einen IPO. Die zweite Variante kann so einerseits in einen Niedergang, andererseits aber in eine unabhängige, neue Documentum münden.

Unsere Meinung ist, dass die Unternehmensteile Documentum und Captiva zusammenbleiben (da es auch kaum noch größere unabhängige Capture-Anbieter gibt). Allerdings schätzen wir, dass eher die zweite Variante zum Tragen kommt: "Documentum is doomed to be sold, neglected or vanishing into the underground of Dell".

Cade Metz hat einen interessanten Artikel auf Wired geschrieben: "Dell. EMC. HP. Cisco. These Tech Giants Are the Walking Dead". Der Beitrag geht über die reine Bewertung des DELL&EMC-Deals hinaus. Durch Cloud & Mobile werden die Geschäftsmodelle aller großen Traditionsanbieter in Frage gestellt. Die Zukunft liegt bei den großen Internet-Firmen und Cloud-Anbietern … und den denjenigen, die es noch rechtzeitig auf den Wagen schaffen: Microsoft und vielleicht auch IBM. Aber DELL, HP, EMC, CISCO, ORACLE usw. – sie sind nach Meinung Metz dem Untergang geweiht. Dies zeigt sich schon bei den PCs, aber zukünftig noch mehr bei den Speichern. Amazon, Facebook und Google – um nur diese drei zu nehmen – bauen ihre Server und Speicher selbst, schreiben ihre Betriebssysteme, Datenbanken und Anwendungen selbt. Der Grund – die Standardsysteme wie Server, Speicher und Datenbanken sind den Anforderungen des Web und der Cloud nicht gewachsen. Sie sind teuer, in der Architektur veraltet und skalieren nicht. Alles was eine On-Premise-Historie hat, passt nicht in die neue Welt.

Und so wird auch der DELL/EMC-Deal beiden nicht weiterhelfen (außer dass sich viele bei EMC mit sehr viel Geld zur Ruhe setzen können). Als Technologie-Unternehmen ohne die Schlüsseltechnologien von Mobile, Cloud und Web wird es ein Dahindümpeln werden. Alles nur eine Frage der Zeit.

 

Kommen wir unter diesem Gesichtspunkt noch einmal auf ECM/EIM und damit auf Documentum, Captiva und Docuscience zurück. Am Besten wären die drei bedient, man würde sie in die Freiheit entlassen. Ein Verkauf bringt die Divisions nur in die gleiche Lage wie vorher bei EMC und jetzt bei DELL. 

Von Documentum-Kunden hört man inzwischen Zwiespältiges: soll man abwarten, auf das relativ ähnliche Alfresco wechseln oder was ganz Anderes einsetzen? Unsere Meinung – erstmal abwarten, was passiert. Solange die Köpfe und Entwickler von Documentum sich nicht absetzen, ist nichts verloren (aber auch hier gab es schon erste Kommentare im Netz, dass Documentum & Co nur noch als Steinbruch zum Abwerben guter Leute taugt).

Dennoch: für "Goodbye Documentum"  ist es noch einen Moment zu früh.

Ein Gedanke zu „Dell übernimmt EMC: und was wird aus Documentum?

  • 7. April 2016 um 15:30
    Permalink

    EMC verkauft Documentum

    Wie erwartet und bereits mehrfach bei uns im Blog angesprochen, verkauft nun EMC doch Documentum – CMSwire berichtet http://bit.ly/23f1auJ    Dies soll den immensen Kaufpreis von 67 Milliarden US$ für Dell schon einmal vorab verringern. Bloomberg http://bloom.bg/22fvtf1 meint, dass DELL durch den Verkauf von Teilen der Software-Division bei der Übernahme bis zu 6 Milliarden US$ sparen könnte. Sonic Wall, Quest (Sonic Wall und Quest zusammen sollen 4 Milliarden bringen, wollte aber noch keiner zahlen), Captiva und auch andere Software-Einheiten von EMC stehen ebenfalls zur Disposition. Durch den Verkauf von NTT Services kamen schon mal 3 Milliarden für DELL rein, dennoch muss sich das Unternehmen wohl mit rund 50 Milliarden verschulden um den Brocken EMC zu schlucken. Immerhin lohnt sich die Übernahme von EMC dennoch für Dell, denn die Kombination Dell/EMC wird der größte Anbieter für Cloud-Server und Cloud-Speicher weltweit.

    Das Team um ECM/Documentum hatte in den letzten Monaten noch einmal Werbe-technisch viel unternommen, besonders in den Social Media, um die Bedeutung von Documentum für EMC zu unterstreichen – oder die "Braut schön zu machen".

    Nun wird es im Markt für ECM Enterprise Content Management interessant – nicht nur EMC/Documentum sondern auch Lexmark mitsamt Software Division (wenn nicht diese auch noch schnell ausgegründet wird) und einige Mittelständler stehen zum Verkauf.

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