Information Flood: Suche versus Ordnung schaffen

25. Juli 2011 10:16 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


Die Informationsflut wächst ständig und Konzepte zur Verwaltung und Erschließung sind gefragt. IBM setzt dagegen auf reine Rechenpower: "IBM GPFS Storage Technology Scans 10 Billion Files in 43 Minutes". Bleibt die ordentliche Verwaltung von Informationen auf der Strecke?

Wir haben uns schon lang an das Nutzungsmodell und die Performance von Google gewöhnt. Für die Suche ein Feld für Alles, für das Ergebnis eine Liste wo, alles drinsteht. So sehr, dass manche ihre eigenen Inhalte inzwischen im Web suchen anstelle sich langwierig durch ihr Outlook oder ihr Filesystem zu quälen. Nun legen die IBM Labs nach und demonstrieren wie man auch "Big Data" (der neue Marketing-Fokus von IBM) sehr schnell durchsuchen kann. Ist diese Strategie die richtige um der Informationsflut zu begegnen? Sie macht das Leben für den Anwender bequemer. Anstelle mühsam mit Ordnen, Klassifizieren und Indizieren Information abzulegen einfach nach ihr suchen? Dieser Frage begegnet man seit Jahren wenn es um die Einführung von ECM Enterprise Content Management, Records Management, Dokumentenmanagement oder elektronischer Archivierung geht. Warum mühsam die Information wegordnen wenn es doch Google on my Desktop gibt.

Suchen ist aber nicht alles. Gerade im kaufmännischen Bereich geht es auch um Eindeutigkeit, Richtigkeit, Vollständigkeit, Identität, Vertraulichkeit und andere Kriterien. Es geht nicht darum, irgendein Dokument zu finden sondern das Richtige – und dies auch noch im richtigen Sachzusammenhang. Hier wird zwar im Bereich der Suchmaschinen gearbeitet – mit Bildung von Foldern, Clustering von Suchergebnissen, Bewertung der Ergebnisse und der Objekte selbst sowie vielen anderen Strategien – aber noch ist Search kein Ersatz für ordentliches Records Management, ordentliche Ablage. Noch ist der Mensch besser darin die Zusammenhänge zu erschließen und diese Informationen den zu speichernden Objekten mitzugeben. Die elektronische Akte ist hier der Anker des elektronischen Dokumentenmanagements, die die notwendigen Sichten auf alle zusammengehörigen Informationen abbildet. Aber auch die elektronische Akte wird inzwischen weitgehend automatisch "gefüttert" und sie wird auch als Ergebnis einer Suche generiert. Elektronische Akten können auch einfach eine andere Form der Darstellung eines Suchergebnisses sein. Aber gerade bei der elektronischen Akte will der Anwender gar nicht suchen. Er will direkt aus der Anwendung auf alle zusammengehörigen Daten und Dokumente zugreifen.

Die Zeiten ändern sich und das Nutzungsverhalten der Anwender orientiert sich immer mehr an einfachen Erschließungskonzepten wie wie sie im Web 2.0 und auf Mobilen Devices kennen. Die bisherige geordnete Organisation und Erschließung von Informationen wird immer mehr zur Spezialdomäne von einer kleiner werdenden Gruppen von Spezialisten. Diese werden weiterhin mit Taxonomien, Ontologien, Thesauri usw. ihre Information organisieren. Blickt man auf die Entwicklung der Verwaltung im Dokumentenmanagement begannen erst Volltextdatenbanken die strukturierte, fazettierte Suche über Index-Attribute zu ergänzen, dann kam Enterprise Search ins Haus und in den USA ergänzte E-Discovery das Portfolio der Suchtechnologien. Bald, spätestens wenn die semantische inhaltliche Erschließung und die automatische Klassifikation besser und schneller sind als der Mensch, dann wird das mit schierer Rechenpower unterstützte Suchen und Finden die bisherigen traditionellen Organisations- und Erschließungsmethoden ablösen. Damit wird die Information nicht weniger und die Flut wächst. Es lässt sich lediglich mit einfacheren Mitteln etwas wiederfinden. Das grundsätzliche Problem ist damit nicht gelöst, lediglich vertuscht. 

 

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Dr. Ulrich Kampffmeyer

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