OpenText übernimmt den ECM-Bereich von DELL/EMC inkl. DOCUMENTUM

12.09.2016

OpenText teilt nun auch offiziell mit, dass das kanadische Unternehmen den Bereich Enterprise Content Management von EMC/DELL, bzw. DELL Technologies, übernehmen wird. Filetstück ist Documentum, einer der großen Wettbewerber von OpenText. Die Bereinigung bei den traditionellen ECM-Anbietern schreitet voran.

Der Verkauf der Software-Division von EMC stand schon länger zur Debatte. Es war seit April 2016 klar, dass beim Umfang des EMC/DELL-Deals irgendwie Geld beschafft werden musste. Die Suche, wer diesen dicken Brocken übernehmen kann (Documentum, Captiva und noch so einiges), war nicht einfach. OpenText selbst hatte schon einiges an Akquisitionen dieses Jahr getätigt, z.B. bei HPE Recommind und einige andere Produkte. Und so toll war die Kriegskasse dann nun auch nicht mehr gefüllt. Immerhin reagiert der NASDAQ positiv auf den Deal.
Nun steht OpenText weltweit als der unumstrittene Führer bei der Software zum Thema Enterprise Information Management da. An die Problematik der Integration, der Schaffung eines stabilen Unternehmens und eines durchgängigen Portfolios wagt man kaum zu denken - denn auch bei EMC war vieles nicht richtig zusammengeführt, z.B. InfoArchive, LEAP und andere Module. Die Pressemitteilung wirbt dagegen mit "Acquisition Will Allow Customers to Accelerate Digital Transformation with a Fully Integrated Enterprise Information Management Portfolio including Deep Industry Solutions for Enterprise Content Management and Information Life Cycle Management" - nein Freunde, Beschleunigen wird dies erst mal garnicht, da OpenText jetzt schon einen ziemlich unsortierten Bauchladen hat. Die Arbeiten, um wirklich ein "Fully Integrated Enterprise Information Management Portfolio" anzubieten, werden sich über Jahre hinziehen - wenn es denn nicht sowieso bei separaten Unternehmenssparten bleibt. Und das eine oder andere aktuell zum Verkauf stehende Unternehmen könnte als Abrundung für OpenText auch noch interessant sein.

In der Pressemitteilung (http://bit.ly/OPENTEXT_DELL) geht es auch weniger um die Details einer zukünftigen EIM- oder ECM-Strategie als um die finanzielle Transaktion:1.62 Milliarden US$. Das geht eigentlich noch (die vorher gehandelten Kaufpreise waren deutlich ambitionierter), dennoch muss sich OpenText bei der Hausbank Barclays eine Milliarde US$ leihen. Der Kaufpreis entspricht ca. 2,7 mal dem Revenues des Jahres 2015 in Höhe von ca. 600 Millionen US$. Noch muss der Deal genehmigt werden, aber das erscheint derzeit nur Formsache, so dass man vielleicht schon Ende des Jahres damit durch ist.

Barrenechea hat dann sein Ziel erreicht "OpenText is the largest independent software provider of Enterprise Information Management (EIM)."

Stellt sich die Frage, wie die anderen großen Softwareanbieter darauf reagieren. IBM kann sicher noch Paroli bieten, aber von Oracle oder HPE kann man in Punkto ECM Enterprise Content Management nicht viel erwarten. Die ECM-Software-Division von Lexmark ist quasi in Auflösung und kann schwerlich noch zu den ganz Wichtigen gerechnet werden. Microsoft? - wandert mitd em Sharepoint in die Cloud, ohne dass der Sharepoint jemals überhaupt den Anspruch an ein vollständiges ECM erfüllt hätte.
Unterhalb dieser Riege werden sich die größeren Mittelständler versuchen zu platzieren. Aber die "Game Changer" sind die großen Internet-Konzerne mit SaaS-Angeboten. Auch hier braucht OpenText noch eine schlagkräftige Antwort - von den ganzen Kleineren einmal ganz zu zu schweigen. Denn viel von dem, was OpenText im Kern ausmacht und besonders die Neuerwerbung Documentum, sind eigentlich schon jenseits ihres Lebenszyklushöhepunktes, sprich vieles ist veraltet. ECM ist so gesehen ein Sammelsurium von Altlasten. Damit wird sich auch die Frage erneut stellen, ob und wie man sich als ECM Enterprise Content Management Anbieter positiniert. OpenText schreitet schon seit langem voran und proklamiert den Wandel zu EIM Enterprise Information Management (siehe auch unseren Vortrag auf der OpenText Konferenz 2013). Das zukünftige Portfolio von OpenText geht weit über die bisherigen Definitionen von ECM hinaus. Als Marktführer in diesem Segement setzt OpenText hier die zukünftigen Standards für Lösungen.

Und ... damit beginnen auch bei vielen Documentum-Anwendern und -Integratoren die Fragen, wie es weitergeht. Einige Unternehmen - auch in Deutschland - haben ihre Documentum-Lösungen in jüngerer Vergangenheit in Frage gestellt (weil es auch mit der Weiterentwicklung, der Roadmap und dem Support durch EMC nicht so toll aussah). Diese werden sich jetzt noch mehr beeilen und Migrationen planen. Andere müssen ihre Strategie erst bewerten, denn in einigen Branchen ist Documentum weiterhin bei großen Unternehmen "gesetzt": Finanzen, Pharma, Industrie. Dort sind vielfach aber auch "Aufsätze" als Anwenderlösung im Einsatz, die im Unterbau anstelle Documentum auch andere ECM-Basislösungen bedienen könnten. Die mittelständischen ECM-Anbieter werden diese umwälzungen im internationalen Geschehen eher als Chance sehen, da der deutsche MIttelstand angesichts der "Unsicherheiten" der "Ganz Großen Anbieter" nun noch eher zu Lösungen aus Deutschland greifen wird. International tätige Anwender-Unternehmen, die auf Documentum (und andere Produkte aus dem EMC Portfolio) gesetzt haben, werden aber erstmal nur die "Stirn runzeln", da bei international oder besser weltweit verfügbaren und unterstützten Produkten in der "Oberklasse" (laut Gartner; dort der rechte obere Quadrant) dann nicht mehr so viel Auswahl da ist. 
So bleibt noch die Frage, wer schneller mit Umstiegslösungs- und Migrationsangeboten für Documentum-Lösungen da ist - OpenText selbst auf Opentext, Alfresco, und wer sonst noch so?

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