Ausverkauf bei IBM

07.12.2018

Es sieht fast so wir der Jahresendschlussausverkauf bei IBM aus: HCL Technologies übernimmt einen großen Bereich des IBM Softwareportfolios [https://ibm.co/2G4v6oy]. Das tut einer Reihe von engagierten IBM-Mitarbeitern so richtig weh, da sie die Hälfte ihres Berufslebens mit diesen Produkten verbracht haben: http://bit.ly/IBM-HCL. Nun gut, für unser Interessengebiet Informationsmanagement war dies schon abzusehen, als wichtige Produktlinien im Umfeld von Collaboration und ECM für die Weiterentwicklung an Partnerunternehmen "outgesourct" wurden. Also keine Überraschung. Überraschend war eher die große Feier zu neuen Releases im Lotus Notes Umfeld - Domino V10 - im Oktober diesen Jahres.

Zu den Produkten, die für 1,8 Milliarden US$ ihren Besitzer nach Indien wechseln, gehören "Appscan for secure application development", "BigFix for secure device management", "Unica (on-premise) for marketing automation", "Commerce (on-premise) for omni-channel eCommerce", "Portal (on-premise) for digital experience", "Notes & Domino for email and low-code rapid application development" und "Connections for workstream collaboration". Ehrlich gesagt - manche dieser Produktlinien spielten auch kaum noch eine Rolle. Altlastenentsorgung?! Alle Softwareprodukte, die nicht richtig in die Cloud passen, fliegen raus.  In Punkto Information Management gehen damit nach Filenet P8, Content Manager und anderen IBM ECM-Lösungen nun auch die anderen verwandten Produktlinien aus dem Haus. IBM ist damit endgültig kein Partner mehr für die Themen rund um das Enterprise Content Management. Zwar wird IBM diese Produkte zum Teil noch weiter vertreiben, ob dies aber den Kunden gefällt, ist eine andere Frage, da gerade ECM und Archivierung sehr langfristige Auswirkungen haben. Viele Anwender, die noch IBM-Lösungen im Hause haben, werden sich jetzt mit Migrationsfragen beschäftigen (müssen).

Obwohl IBM in einigen der betroffenen Marktsegmente eine führende Rolle innehat, trennt man sich von diesen Geschäftsbereichen. Damit wächst auch zugleich die Abhängigkeit von einem durchschlagenden Erfolg neuer Produktlinien wie z.B. Watson. IBM will sich auf Cognitive Computing, IoT und andere aktuelle Themen konzentrieren. Welche Auswirkungen dies auf Personal, Organisation und Positionierung von IBM insgesamt haben wird, ist noch nicht abzusehen.

 

Kommentare

FileNet befindet sich noch im IBM Portfolio, passt aber ebenso wie die anderen Client-/Server-ausgerichteten  Collaboration-Produkte nicht mehr in die Strategie von IBM, die in Cloud zielt. Auch ist die Architektur von P8 wenig geeignet in die Cloud transferiert zu werden. Forrester (Einschätzung und Geschichte der Produktübergaben an HCL von Forrester http://bit.ly/ForresterIBMHCL und Markets&Markets http://bit.ly/MM-IBM-HCL) und andere Analysten gehen davon aus, dass auch FileNet P8 zur Disposition steht. Es dürfte sich ähnlich entwickeln wie bei IBM Content Manager, IBM Content Manager on Demand und anderen Produkten aus dem ECM-Umfeld.
Entwicklung und Pflege von P8 ist ja bereits vielfach durch IBM Partner abgedeckt. Diese Partner, Systemhäuser und Integratoren, werden sicher noch eine Weile auf IBM FileNet P8 weiterentwickeln und sich um die Pflege der vorhandenen Lösungen kümmern. Ob und welche Rolle IBM selbst hier noch spielen wird ist angesichts der aktuellen Entwicklung und sich abzeichnenden Strategie (Übernahme von Red Hat) unsicher.

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Gespeichert von Andreas Herrmann (nicht überprüft) am/um 6. Februar 2019 - 23:07 Permanenter Link

Ohne Frage ist der ECM-Markt sich weiter recht dynamisch am verändern.
Die Behauptung, dass IBM FileNet "aus dem Boot kippen" könnte, weil FileNet angeblich nicht cloudfähig ist grenzt nun aber an blanken Unsinn.
IBM FileNet und Datacap sind die Systeme die von reinem "on premise" bis vollständig in der "cloud" mit nahezu allen Zwischenstufen und Kombinationen betrieben werden kann.

Wenn IBM nicht irre ist, dann wird sie ihr ECM Geschäft nicht komplett rausgeben.
Was soll man mit KI-Lösungen von IBM wie Watson & Co. wenn die gesamte Informationsbasis von anderen stammt?

Und das was an Produkten rausgegeben wurde ist aus meiner Sicht so eine Art Resterampe wie Notes und COnnections / Sametime u.ä. die sich entweder am Markt nicht durchgesetzt hatten/haben bzw. schon seit vielen Jahren auf dem absteigenden Ast sind und sich damit bestimmt kein großes Geschäft mehr machen ließ - weder im Projektgeschäft noch im Softwarevertrieb.

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