CDF – ein neues “Dokument” Format

21. Juli 2011 11:53 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


CDF steht für Computable Document Format. Es soll nach Meinung des Erfinders, Conrad Wolfram, die "öde Welt der statischen Dokumentformate" ablösen. CDF soll beliebig kombinierte und dynamische Inhalte für das Internet zusammenfassen. Dies hat aber Konsequenzen für die langfristige Aufbewahrung.

Mit viel Getöse im SPIEGEL, auf GOLEM und auf anderen Plattformen wird das neue Wunderkind CDF von WOLFRAM RESEARCH (wir erinnern uns, Wolfram Alpha) angekündigt. CDF zielt dabei auf variable multimediale Inhalte wie auch klassische "Dokumentformate". Kern ist die einfache Adaptierbarkeit. Allerdings braucht man für die Erstellung von CDFs ein spezielles Werkzeug und natürlich braucht man auch einen speziellen Viewer. Ausgangspunkt für die Entwicklung waren konkrete Anwendungsfälle aus der wissenschaftlichen Präsentation – die geistige Nähe zu Mathematica und Alpha ist nicht zu übersehen. Es geht um die multimediale Präsentation von Inhalten in Gestalt eines "Dokument"-Objektes.

Dokumentformate gibt es viele. Einige haben nicht überlebt wie z.B. ODA/ODIF. XML-basierte, offene Formate haben eine gewisse Verbreitung erlangt. Gebräuchlich für die dauerhafte Präsentation und eine statische Darstellung von Dokumenten ist zum Beispiel PDF. Im multimedialen Bereich gibt es eine Vielzahl weiterer Formate, viele proprietär und an bestimmte Umgebungen gebunden. Hinzu kommt der Wettstreit der elektronischen Publikationsformate wie EPUB und andere. Aber wir entfernen uns hier bereits immer weiter vom "Dokument"- Begriff. CDF ist eine Art selbstbeschreibender, softwareverarbeitungsfähiger Container, ein Informationsobjekt – aber kein "Dokument" im herkömmlichen Sinne.

Besonders wenn wir uns dann die statistische, unveränderbare, authentische Funktionalität eines elektronischen Dokumentes erinnern, wo wir dynamische Links "abschneiden" oder "einfrieren" um den Zustand des Dokumentes zum Zeitpunkt seiner Speicherung zu erhalten, entspricht der Ansatz von WOLFRAM nicht dem eines Dokumentes. CDF ist ein Container, der unter bestimmten Bedingungen und bei bestimmten Inhalten als Dokument durchgehen kann. Unter Archivierungsgesichtspunkten – wenn wir an Aufbewahrungsfristen von 30 Jahren oder mehr denken – ist ein proprietäres, nicht genormtes Format für die Aufbewahrung nicht geeignet. Spätestens an der Schwelle der Archivierung wird daher CDF – wie so viele andere im Internet gebräuchliche Formate – scheitern.

Standards für Dokumente werden von großen Anbietern gemacht, in der Regel kostenfrei verbreitet, von einer großen Anzahl von Anwender genutzt – und meistens auch noch in eine Norm überführt. Dies ist beispielsweise eines der Merkmale von PDF und PDF/A. Generatoren und Viewer für solche Formate gibt es von vielen Anbietern und sie leben von Ihrer Verbreitung. Da hilft es auch nicht, dass ein Unternehmen mit einem durchaus bemerkenswerten Namen seine Markrtingmaschien anwirft – CDF wird wie viele andere Formate auch in einer Nische landen. Interessant wird es dann wieder werden, wenn wir die ersten Konverter brauchen um aus CDF ein stabiles Langzeitarchivformat zu erzeugen. 

Dr. Ulrich Kampffmeyer

Dr. Ulrich Kampffmeyer

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