frohe OSTERN?

11. April 2020 10:10 Uhr  |  Dr. Ulrich Kampffmeyer  |  Permalink


Kann man in diesen Tagen noch „Frohe Ostern“ wünschen?

Die Covid-19-Krise fordert ihren Zoll. Viele fühlen sich unnötig eingesperrt, gerade beim aktuell sonnigen Frühlingswetter. Die Eigentümer von Häusern und Gärten freuen sich. In Hochhäusern kommt eher Ghetto-Stimmung auf. Über die Wochen hat sich eine gewisse Müdigkeit in Bezug auf die Corona-Nachrichten und Corona-Maßnahmen verbreitet. Die Kontaktvermeidung, das Abstandhalten, das Händewaschen, der Streit um die Masken, all dies wird in den Hintergrund verdrängt. Und damit kommen zugleich wirtschaftliche Ängste in den Vordergrund und überlagern soziale, humane Einsichten. Die Angst, ob der Arbeitsplatz erhalten bleibt, die Angst vor der Insolvenz der Firma, die Angst, wie lange das Ersparte reicht, die Angst, ob es ausreichend Lebensmittel und notwendige Güter geben wird. Der Ruf nach dem Ende des Lock-Downs wird lauter. Gerade über Ostern, wo viele sich in Bezug auf Treffen und Besuche besonders eingeschränkt fühlen, wird mancher Gedanke in die falsche Richtung tendieren: gilt Wirtschaft vor Gesundheit? Unser Staatswesen, unser Gemeinwesen wird sich durch die Krisen und besonders ihre Nachwirkungen verändern.

In der ITK-Branche brummt es dagegen. Nie war der Weg zum papierlosen Büro so kurz. Nie wurden Entscheidungen für eine Collaboration-Lösung in der Public-Cloud so schnell getroffen. Nie wurden Sicherheitsrisiken bei Video-Konferenz-Software so einfach zur Seite gewischt. Nie war Heimarbeit populärer als heute. Die Krise hat die Arbeit mit Information verändert. Das Büro, der „White-Collar-Worker“, ist betroffen. Krankenwagenfahrer und Spargelstecher können ihre Arbeit schwer im Sofa am Bildschirm ausüben – auch wenn hier jetzt auch von Automatisierung, selbstfahrenden Krankenwagen und selbststechenden Robotern philosophiert wird. Verwaltungstätigkeiten und Meetings werden ins Virtuelle verlegt. Zwar müssen viele „Adhoc-Lösungen“ hinterher erstmal wieder eingefangen werden, jedoch werden Heimarbeit und mobiles Arbeiten mehr an Gewicht bekommen. Das herkömmliche Büro zum Arbeiten ist tot. Überleben wird der Meetingraum, die Kaffeeküche, die Unternehmens-Kita. Es müssen hier neue Verteilungen zwischen Einzelarbeit jeder-für-sich allein, Team-Work und sozialer Unternehmenskultur gefunden werden. Formen, Häufigkeiten und Arten der virtuellen Kommunikation müssen sich erst an diese veränderte Landschaft anpassen.

Auch der Einsatz von KI Künstlicher Intelligenz, selbstlernenden Systemen, Robotik und Automatisierung wird durch die Krise vorangetrieben. Wo Menschen nicht mehr zusammen direkt an etwas arbeiten können, sind Roboter und Software Viren-resistent (zumindest gegen biologische Viren – Computerviren und Hacks werden aber zu einer vergleichbaren epidemischen Gefahr).

Wir leben in interessanten Zeiten, könnte man sagen.

Eine Krise folgt der nächsten und die menschliche Gesellschaft stößt vielfach an ihre Grenzen. Da sind nicht nur die Epidemien: zu viele Menschen auf dem Planeten, Zerstörung der Umwelt, Trinkwasser-Krise, Klima-Wandel, Autokraten und Despoten, ungehemmter Kapitalismus, mediale Manipulation, usw. Neue Modelle der Gesellschaft, des schonenden Umganges mit unserem Planten (es gibt keinen Ausweichplaneten) und gerechtere Formen des Zusammenlebens sind notwendig. ITK und Informationsmanagement haben in diesem Neubeginn eine wichtige Rollen zu spielen – wenn man sie lässt und ethisch verantwortlich einsetzt. Die exponentielle Entwicklung, immer mehr Innovation in immer kürzerer Zeit, macht Hoffnung, schürrt aber auch Ängste vor Mißbrauch.

Darüber lässt sich in der osterzeitlichen Ruhe nachdenken und die eigene Position, die eigene Rolle überdenken. Zuhause-bleiben und mal wieder nachdenken und Reden füllt den vermeintlichen Leerraum des „Kontaktverbotes“ sinnvoll. Also ehe statt „Frohe Ostern“ „Nachdenkliche Ostern“ wünschen.

Dies tun wir hiermit! Wir wünschen allen Besuchern unserer Webseite „Nachdenkliche, stimmungsvolle, sonnige und gesunde Frühlingstage“, die uns ein altorientalischer, inzwischen komplett kommerzialisierter Mysterienkult-Erinnerungsevent gibt!

Stay Safe!

Stay Home!

Stay Healthy!

Stay Strong!

Stay Patient!

Stay Cool!

Stay Groovy!

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